Bildergalerie aus der Geschichte der Martin-Luther-Gemeinde

Geschichte der Martin-Luther-Gemeinde Findorff

„Noch einmal haben die Bauherren und Pastoren von St. Stephani aus gesamtkirchlicher Verantwortung zum Entstehen einer neuen Gemeinde beigetragen. Das nach dem berühmten Moorkolonisator J. Ch. Findorff benannte Viertel westlich des Bürgerparks verdichtete sich zügig. 1898 hatte es etwa 5ooo Einwohner. Eigentlich gehörte es zum Sprengel von St. Michaelis. Dort aber war man entweder zu sehr mit näherliegenden Aufgaben beschäftigt, oder die Stephanigemeinde fürchtete die seinerzeit dort herrschende ‚freisinnige‘ Theologie. Jedenfalls »meinte man es seinem Gewissen schuldig zu sein, sich hier für einen Prediger im Sinne der alten Bibelgläubigkeit einsetzen zu müssen«. Dieser Prediger war Martin Graeber (1914-21), zuvor deutscher Pfarrer in Kairo. Unterstützt vom ‚Evangelischen Verein‘ und dem Stadtmissionar Drojewski von der in zwischengemeindlichen Lücken ungewöhnlich rührigen ‚Inneren Mission‘ legte er mit dem “Vereinshaus” an der Sommerstraße den Grundstein für die neue Gemeinde jenseits der Bahnlinie.

Im und nach dem Weltkrieg entwickelte sie sich in fast familiären Formen. 192o schloss man sich vorerst zu einem “Luther-Gemeinde-Verein” zusammen. Der Name des Reformers stand schon über dem Eingang des ersten Domizils. Nun aber sollte ‚der echte Bibelglaube‘ noch aktiver gefördert und der Bau einer richtigen Luther-Kirche angestrebt werden. Auch außerhalb der Gottesdienste fanden Treffen statt: zu unvergessenen Osterspaziergängen, die Posaunen voran, im Bürgerpark; zu fröhlichen Freimarktszusammenkünften. Und häufig erschallten die Klänge der Blasinstrumente über die Dächer des Findorff-Viertels. Die Einführung von Pastor Waldemar Vogt (1928-34) wurde zu einem großen Gemeindefest.

Inzwischen hatte aber auch St. Michaelis im gleichen Gebiet ein Gemeindehaus errichtet. Die Verhältnisse drängten auf eine Festlegung neuer Kirchspielgrenzen. Und 1934 rang sich der bremische Kirchentag zu dem Beschluß durch, in Findorff endlich eine Gemeinde mit eigenem Recht aus Teilen von St. Stephani und St. Michaelis zu bilden. Doch die Pläne für eine Kirche mußten vorläufig in der Schublade bleiben: Die Vorkriegszeit mit anderweitigen Perspektiven stoppte alle Baumaßnahmen. So blieben die beiden Gemeindeteile vorerst getrennt, und die zwei Gemeindehäuser wurden im Bombenkrieg vernichtet.
Der Neuanfang war abenteuerlich. Wer in dem schwer getroffenen Viertel überlebt hatte, mußte in einem Notraum Gottesdienst feiern. Ein Kellerfenster war der Einstieg. Mitunter konnte man der Predigt nur unter aufgespanntem Regenschirm lauschen. Die 1948 ausgebaute “Kapelle” reichte allerdings schon 1951 nicht mehr aus. So entstand am Ausgang des früheren Torfhafens 1954 das jetzige, von Friedrich Schumacher entworfene Zentrum. Es wurde auch von der heimatlosen Michaelisgemeinde mitbenutzt, die sich von 1954 bis [1965 Red.] offiziell mit “Luther” zur “Michaelis-Luther-Gemeinde” vereinigte. Dann löste sich die ‚Zwangsehe‘ wieder auf.

1961 sind beide im Grunde immer eigenständig gebliebenenen Gemeindeteile noch in eine gemeinsame Kirche eingezogen. Neben dem erwähnten Zentrum der Neukirchstraße entstand, ebenfalls nach Plänen von F. Schumacher, das mächtige Bauwerk, das alsbald im Volksmund den Spitznamen “Findorffer Dom” bekam. Tatsächlich ist es, zusammen mit dem Gemeindezentrum und der Tagesstätte für behinderte und nichtbehinderte Kinder, eines der größten nach dem Kriege errichteten bremischen Gotteshäuser: ein unübersehbarer baulicher Akzent des ganzen Viertels. Über dem Portal sieht man ein Relief von Kurt Lettow. Es stellt den Einzug Jesu in Jerusalem dar. Die kupferbeschlagene Tür trägt ein farbiges Emailband, Luthers 95 Thesen andeutend: eine Arbeit von Karl Wienceck. Im Hauptschiff wird die Aufmerksamkeit vom Altar und den über ihm angebrachten Rundfenstern von Albrecht Kröning angezogen. Sie zeigen das Kreuz und vier Evangelisten-Zeichen. Kanzel und Taufstein sind aus Muschelkalk hergestellt. Die farbigen Fenster im Ostschiff stammen aus der Werkstatt Heinz Lilienthals.“

Die Martin-Luther-Gemeinde stellt seit den 90-er Jahren den Kirchenraum für Ausstellungen von Bildern bzw. Skulpturen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung.
„Der Verkauf des zweiten Gemeindehauses hat neue Wege in das dritte Jahrtausend eröffnet: Unter der Devise “Gemeinde 2000” ist ein gläsernes Foyer entstanden, das die zentrale Position der Kirche “mittendrin” im Stadtteil dokumentiert.“

„Den Dienst in der Gemeinde teilen sich die theologischen Mitarbeiter in flexiblen Arbeitszeiten.“ Unsere Pastoren sind zurzeit: N.N., Norbert Harms, Klaus Kramer und Hans-Jürgen Jung.
In den Jahren 2001-2012 wurde die Kapelle der Kirche grundlegend umgestaltet, die Begegnungsstätte im Turm der Martin-Luther-Kirche eingerichtet und der Kindergarten, die Kindertageseinrichtung (Kita) um- und neugebaut.
Im Oktober 2011 feierte die Gemeinde das 50jährige Jubiläum der Martin-Luther-Kirche mit einem Festprogramm.
Alle Zitate aus: Claus Heitmann, Von Abraham bis Zion 2 Aufl. 1999. S. 55-56

Hier finden Sie die Festschrift zur Einweihung der Martin-Luther-Kirche von 1961 als pdf-Download

Richtfest 1960