Die Martin-Luther-Kirche wurde 1961 erbaut. Im Jahr 2011 feierten wir dieses 50jährige Jubiläum.

Die Martin-Luther-Kirche

Name

Der Reformator Martin-Luther (1483-1546) ist der Namensgeber der evangelischen Kirchengemeinde in Bremen-Findorff und des Kirchengebäudes. Die 1960/61 in nur 15 Monaten erbaute Martin-Luther-Kirche ist der größte Kirchenneubau in Bremen nach dem zweiten Weltkrieg.

Geschichte des Stadtteils und der Gemeinde

Findorff, das nach dem Moorkolonisator Jürgen Christian Findorff (1720-1792) benannte Viertel westlich des Bürgerparks, hatte 1898 etwa 5.000 Einwohner und gehörte eigentlich zum Kirchengebiet der St. Michaelis-Gemeinde in der Bahnhofsvorstadt.

Anfänge

In Abgrenzung zu der liberalen St. Michaelis-Gemeinde und unter der Beteiligung der Inneren Mission schlossen sich 1920 pietistische Christen (in Bremen sagt man „positive“) aus der St. Stephani-Gemeinde zum „Luther-Gemeinde-Verein” zusammen und zogen in ein „Vereinshaus“ in der Sommerstraße. Nachdem auch die St. Michaelis-Gemeinde in Findorff ein Gemeindehaus errichtet hatte, legte 1934 der Kirchentag der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) neue Gemeindegrenzen fest. Die Pläne für einen Kirchenneubau wurden jedoch durch die Vorbereitungen des NS-Regimes auf den Krieg verhindert. Der Stadtteil Findorff wurde im Krieg weitgehend zerstört.

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit bis 1951 war die evangelische Bevölkerung wieder auf 17.500 Einwohner angewachsen, so dass 1954 am Ausgang des früheren Torfhafens das Gemeindezentrum gebaut wurde (Entwurf Friedrich Schumacher). Der Gemeindesaal diente von 1954-1961 als Gottesdienstraum. Das Gemeindehaus wurde auch von der ursprünglichen „Muttergemeinde“ St. Michaelis mitbenutzt, die sich von 1954 bis 1965 mit der Martin-Luther-Gemeinde zur „Michaelis-Luther-Gemeinde“ vereinigt hatte. Als das Doventorsviertel in der Bahnhofsvorstadt Wohngebiet wurde, baute die St. Michaelis-Gemeinde am Doventorsteinweg ihre eigene neue Kirche. Mit der Einweihung der Martin-Luther-Kirche 1961 wurde der Gemeindesaal für andere Aktivitäten der Martin-Luther-Gemeinde genutzt.

Grundsteinlegung 26. Juni 1960
Richtfest 4. November 1960
Einweihung 8. Oktober 1961
Architekt Friedrich Schumacher
Länge des Kirchenschiffes 35 m (innen), 45 m (außen)
Breite des Kirchenschiffes 24 m (innen), 25 m (außen)
Höhe des Kirchenschiffes 14 m (innen), 23 m (außen)
Höhe des Kirchturms 36 m, 147 Stufen
Sitzplätze im Kirchenschiff 700 + 100 Orgelempore
Baukosten 1961 1,7 Mio DM
Orgel 150.000 DM
Stahlglocken um 1900 aus der alten St. Michaeliskirche
Johanna (ES-1) 1.600kg
Dorothea (F-1) 1.200kg
Albertus (G -1) 800 kg

Außenansicht

Auf dem Südgiebel der Martin-Luther-Kirche ist ein vergoldeter Hahn zu sehen. Der Hahn ist das Symbol der Wachsamkeit und zugleich eine Erinnerung an die Verleugnung des Petrus (Markus, Kapitel 14 Verse 66-72).
Im Erdgeschoss des Turmes befindet sich seit dem Jahr 2005 die Begegnungsstätte, darüber Übungsräume für Musikgruppen und Chöre.

Haupteingang

In Anlehnung an ein Wort Jesu aus der Bergpredigt (Matthäusevangelium 7,13) ist der Eingang als „enge Pforte” gestaltet.
Die Türflügel sind aus Kupfer. In Höhe der Türgriffe sind 95 farbige Emailleplättchen. Sie erinnern an die 95 Thesen Martin Luthers.
Die Türgriffe haben die Gestalt eines Fisches.
„ICHTHYS“ = griechisch Fisch, gilt als das geheime Erkennungszeichen der Urchristen (Iesous CHristos THeou HYos Soter = Jesus Christus, Sohn Gottes, Retter). Der Fisch erinnert an die Erzählung von der Speisung der 5.000 durch Jesus (Markus 6,35-44).

Das Steinrelief über dem Hauptportal zeigt den Einzug Jesu auf einer Eselin in Jerusalem (Markus 11,1-10). Neben der zentralen Christusfigur sind jeweils vier Personen zu sehen, die ihn freudig erwarten oder starr abweisen. Das Relief wurde aus Eifel-Basaltlava von dem Bildhauer Kurt Lettow gefertigt.

Kapelle

Die Kapelle wurde 2003 grundlegend umgestaltet. Sie ist jetzt das neue Foyer der Kirche. Sie dient als Winterkirche und durch das große Fenster als „Schaufenster“ der Kirche zur Eickedorfer Straße. Die große Glaswand zur Kirche hin verdeutlicht die Offenheit der Gemeinde. Hier in der Kapelle werden Andachten und kleinere Gottesdienste gefeiert.

Der Kirchenraum

Der Kirchenraum der Martin-Luther-Kirche besticht durch seine Größe. Eine strenge Orientierung der Bänke hin auf Altarraum und Kanzel unterstreicht, wie wichtig den Erbauern Predigt und Taufe (Taufstein) und Abendmahl (Altar) waren.

Altarraum

Altar, Taufstein und Kanzel sind sachlich und schlicht aus Kirchheimer Muschelkalk gestaltet. Das Kreuz mit dem Kruzifixus stammt von Johannes Schreiter.

Der Taufstein trägt eine Umschrift, die aus dem Epheserbrief (Kap 4,4-6) stammt:
Ein Leib • Ein Geist • Ein Herr • Ein Glaube • Eine Taufe • Ein Gott

Die Fenster

Die vier kleinen Rundfenster
Sie zeigen die Symbole der vier Evangelisten:
Ein Adler (im 1. Fenster von links) als Zeichen des Evangelisten Johannes.
Ein Löwe als Zeichen des Evangelisten Markus.
Ein Stier als Symbol des Evangelisten Lukas.
Und einen Menschen (rechtes Fenster) als Symbol des Evangelisten Matthäus.

Großes Rundfenster
Zentral ist das Kreuz, links und rechts sind die Buchstaben „I” und „S” zu sehen, die Abkürzung für den urchristlichen, griechischen Titel von Jesus Soter = Retter. In der Mitte ist außerdem noch das Christusmonogramm dargestellt durch die beiden griechischen Buchstaben „Chi” (= X) und „Rho” (= P). Wer genau hinsieht, erkennt einen Dornenkranz. Das urchristliche Glaubensbekenntnis „Jesus Christus Retter” ist dadurch in dem Fenster künstlerisch umgesetzt.

Die Entwürfe für das große Rundfenster, die vier kleinen Rundfenster und die sechs Fenster auf der Westseite, die in abstrakter Form einen Lebensbaum darstellen, stammen von Albrecht Kröning, Bremen.

Die vier Fenster im Seitenschiff
Der Entwurf für diese Fenster stammt von Heinz Lilienthal, Bremen. Sie stellen die vier christlichen Hauptfeste dar. Von rechts nach links zeigen die Fenster:

Weihnachten
Engel auf dem Feld • Geburt Jesu in Bethlehem • Joseph, der Vater von Jesus (Lukas 2)

Karfreitag
Judas verrät Jesus durch einen Kuss (Markus 14,43-46) • Ein krähender Hahn, als Petrus leugnet, ein Schüler Jesu zu sein (Markus 14,66-72) • Drei Kreuze, an denen Jesus und zwei weitere Juden von den Römern gekreuzigt wurden (Lukas 23,32-33) • Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße (Johannes 13,1-20)

Ostern
Ein Engel • Der auferweckte Jesus Christus • Die Frauen am Grab (Markus 16,1-8)

Pfingsten
In diesem Fenster werden vier christliche Symbole dargestellt: Sturm und Feuerflammen als Zeichen des Heiligen Geistes (Apostelgeschichte 2), eine Taube (Markus 1,10); die Fische als Zeichen der Christenheit bzw. als Zeichen für die Gemeinschaft der Christen mit Jesus Christus (Johannes 21).

Gedenkplastik für die Kriegstoten

An der Rückwand der Kirche findet sich eine Gedenkplastik, die an die Toten der beiden Weltkriege erinnert und von Johannes Schreiter gestaltet wurde . Auf der anderen Seite im Seitenschiff sind auf zwei eichernen Tafeln die Gründungsväter der Martin-Luther-Kirche und die Pastorinnen und Pastoren aufgeführt.

Orgel

Die Orgel auf der Empore, eingeweiht am 28. Oktober 1962, wurde durch Rudolph von Beckerath (Hamburg) gebaut. Die dreimanualige Orgel mit Pedal hat 41 Register und beherbergt 2.810 Pfeifen, deren größte ca. vier Meter und deren kleinste etwa 10 cm hoch ist.

Das Gemeindezentrum an der Neukirchstraße

Vorgeschichte bis nach dem 2. Weltkrieg

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich am heutigen Standort des Gemeindezentrums ein Teil des Torfhafens. Dieser wurde zugeschüttet.
Die Gemeinde hatte vor dem zweiten Weltkrieg zwei Gemeindehäuser. Eines in der Sommerstraße, das ursprünglich vom Verein für innere Mission (“Stadtmission”) gegründet worden war und ein weiteres Gemeindehaus in der Landshuter Straße (Ecke Münchener Straße, heute Wohnhaus Münchener Straße 90 von der Martin-Luther-Gemeinde an den Verein für Innnere Mission verpachtet).
Beide Gemeindehäuser wurden durch die Bombenangriffe stark zerstört.

Nachkriegszeit

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde auch auf Betreiben des Findorffer Bürgervereins für Findorff und die Bahnhofsvorstadt (heute St. Michaelis-Gemeinde) geplant, eine Kirche am heutigen Standort Hemmstr. / Eickedorfer Str. / Neukirchstr.) zu errichten, damit die Michaelis-Luther-Gemeinde wieder ein neues Zentrum gottesdienstlichen und sozialen Lebens hatte. Im Advent 1954 wurde das Gemeindehaus eingeweiht. Der Architekt war Friedrich Schumacher. Der Gemeindesaal diente bis zum Bau und Fertigstellung der Kirche 1961 als Kirchsaal. Im Erdgeschoss gab es Konfirmandenräume (Lehrsäle) im Keller eine Garderobe und im 1. und 2. OG mehrere Gruppenräume. In Nr. 87 und 88 wurden zwei Pastorenhäuser gebaut, die Gemeindehaus und Kindergarten (heute Kita) architektonisch verbanden. Ab Anfang der siebziger Jahre hatte die Martin-Luther-Gemeinde (die St. Michaelis-Gemeinde war wieder selbständig) noch ein weiteres Gemeindehaus in der Innsbrucker Straße (heute SG Findorff), das verkauft wurde.

90iger Jahre und Anfang der 00er Jahre

Durch den Verkauf konnten Ende der 90iger Jahre umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen im Gemeindezentrum in der Neukirchstr. 86 durchgeführt werden. Die beiden Pastorenhäuser wurden Hausmeisterwohnung bzw. Gemeindebüro/Büros und Sprechzimmer, das Erdgeschoss wurde durch ein großzügiges und helles Foyer aufgewertet und der Jugendkeller war nicht mehr hinter den Mülltonnen, sondern über das innere Treppenhaus zugänglich. Energetische Modernisierungen folgten und dauern an (2013). Der Kindergarten wurde 2007ff teilweise abgerissen und umgebaut und den wachsenden Ansprüchen an Kinderbetreuung angepasst(Inklusion, unter 3jährige).

Link: Bremer Zentrum für Baukultur bzb – Architekturführer Martin-Luther-Kirche