Ihr seid’s!

Und wieder hat der Konvent der Gemeinde mich vor wenigen Wochen in den Kirchenvorstand gewählt. Mich, der vor einigen Jahren nur mal nebenbei gefragt wurde, ob ich mir ein Engagement in der Gemeinde vorstellen könne. Mich, der Glauben an christliche Werte spürt, aber sie nicht immer vor sich hertragen kann und mag. Mich, der auch mal in den Gottesdienst geht und sich dort aufgehoben fühlt, der aber pastoralen Zuspruch gegenwärtig nicht notwendigerweise auf sich bezieht.

Aber ich bin gerne für andere im gemeinsamen Boot, nicht nur rudernd, sondern auch steuernd. Und ich bin gerne für die nächsten sechs Jahre wieder Bauherr, also Gemeindeleiter, zusammen mit dem verwaltenden Bauherrn, Jens Schröder. Und ich bin es gerne für die Menschen, die zu unserer Gemeinde gehören. Nur, was treibt mich?

Genau das weiß ich nicht! Ich bin immer noch auf der Suche, warum gerade ich jeden Montag in die Gemeinde gehe, um im Vorstands-Ausschuss die alltäglichen Gemeindegeschäfte zu regeln, warum gerade ich einmal im Monat mit dem Kirchenvorstand in manchmal langen Diskussionen für die Zukunft von fast 9.000 Gliedern unserer Gemeinde Entscheidungen treffe. Ich suche immer noch nach einer Antwort und fühle mich doch – auch ohne Antwort – genau richtig an diesem Platz.

Klar, ich wurde genau dafür gewählt. Vielleicht brauche ich das auch: Verantwortung tragen. Ich habe schließlich ein starkes Pflichtgefühl. Aber was verbindet mich darüber hinaus mit der Gemeinde? Ist es die Freiheit des Denkens und Handelns, die ich in der Gemeinde erlebe, die nach Martin Luther benannt ist? Diese Freiheit ist mir grundsätzlich wichtig…

Aber wie kann ich als eigentlich wenig religiöser Mensch gleichwohl für Kirche eintreten? Wie schaffe ich den Spagat zwischen sachlicher Weltanschauung und spiritueller Ergriffenheit, zwischen den neutralen Feindefinitionen, die ich als Jurist gewöhnt bin, und den bewegenden Emotionen, auf die ich bisweilen in der Kirche treffe? Bis heute kann ich mir das nicht erklären: weder in Diskussionen mit anderen oder allein mit mir oder im Gebet.

Taizé hat mich etwas eingefangen. Das gesungene Gebet, das in seiner ständigen Wiederholung dazu führt, das Lied irgendwann als Transportmittel zu sich selbst anzunehmen. Die Stille, die zuerst spannend ist, die dann lästig wird, fast weh tut und dann – wenn man sie denn für sich annimmt – alles andere ausblendend auf sich selbst reduziert. Wie hat mich das alles in seinen Bann gezogen?! Ich wollte eigentlich nur schöne einfache Lieder singen und wurde dabei wieder etwas im Glauben eingefangen, von dem ich so lange weg war. Und zugleich war ich befreit, diesen Schritt dann auch bewusst gemerkt zu haben – mitten in einer Thomasmesse im St.Petri-Dom. Ja, ich gehöre tatsächlich dazu. Dann muss ich zu den Menschen gehören, die sich von Christus leiten lassen – obwohl ich mich seit meiner Konfirmation in St. Pauli mit Bibelinhalten nun wirklich nicht mehr befasst hatte.

Aber das allein kann es nicht sein, was mich in der Gremienarbeit immer wieder Zwiespalt, manchmal auch Zerrissenheit aushalten und was mich die innere Auseinandersetzung damit annehmen lässt. Sind es die Menschen, die mit mir zusammen die Gemeinde gestalten – als Bauherren, als Kirchenvorstände, als Pastorin und Pastoren, als Diakonin und Diakon, als Kirchenmusiker, als Gemeindesekretärin und Buchhalterin, als Öffentlichkeitsbeauftragte, als Leiterin der Kita und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als Küster und vor allem als vielfältig ehrenamtlich Tätige? Sie alle machen unsere Gemeinde zu einem starken und akzeptierten Träger sozialer, diakonischer und seelsorgerischer Verantwortung für meinen Stadtteil. Ja, das kann es sein. Und je länger ich überlege: das muss es wohl sein: Es sind die Menschen in dieser Gemeinde!

Ihr Reinhard Worthmann

Gottesdienste

Sonntag, 23. 7.

10 Uhr, Kirche
Der Talar – ein Missverständnis
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastor Kramer

Sonntag, 30. 7.

10 Uhr, Kirche
Hunger (Johannes 6, 30-35
Pastor Kramer

Samstag, 5. 8.

9 Uhr, Kirche
„Irgendwie anders“ – Ökumenischer Gottesdienst zum Schulanfang
Pastoralreferent Gebbe, Pastor Kramer und Findorffer Grundschüler

Sonntag, 6. 8.

10 Uhr, Kirche
Die Völkerwallfahrt zum Zion
Gottesdienst mit Abendmahl
Pastorin Witte

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

18.30 Uhr, Kapelle
Kurzfilmandacht
Pastorin Witte

Sonntag, 13. 8.

10 Uhr, Klostergarten
Taufgottesdienst
Pastor Harms

Freitag, 18. 8.

18 Uhr, Kirche
Begrüßungsgottesdienst für die neuen Konfirmanden
Anschließend Konfi-Party im Gemeindezentrum
Pastor Harms

Sonntag, 20. 8.

10 Uhr, Kirche
Weil Gott treu ist – Gottesdienst zum Israelsonntag
Pastor Kramer

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

Sonntag, 27. 8.

10 Uhr, Kirche
Gottesdienst
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastorin Witte

18 Uhr, Kapelle
Taizé-Andacht
Verena Maier, Tabea Lenzen und Sonja Großewinkelmann