Konfirmanden unterrichten

Jahrhunderte wurden Konfirmanden nach einem Konzept, das auch „Defizitmodell“ genannt wird, unterrichtet: Danach gäbe es die, die von Gott (noch) zu wenig wissen. Deshalb werden sie zu einem, der nun die Lücken auffüllen soll, geschickt – Pastor, Pastorin, Diakon oder Diakonin. Manche kommen natürlich auch von allein. Ich war noch nie ein überzeugter Vertreter dieses Modells und habe mich wie viele Kollegen immer deutlich davon abgewandt.

Das umgekehrte Modell sieht so aus: Lernen geht in beide Richtungen. Die Jugendlichen lernen von mir – aber ich lerne genauso auch von den Jugendlichen. Dazu ein Beispiel. Einen ganzen Tag haben wir uns am Konfirmandenwochenende mit einer Geschichte aus Markus 12 beschäftigt. Jesus beobachtet, wie die Menschen im Tempel Geld spenden. Wohlhabende geben viel in den „Opferkasten“; dann kommt eine arme Witwe, tut Münzen im Wert von einem Cent hinein. Jesus ruft seine Jünger zu sich und sagt: „Sie hat mehr gegeben als die Reichen. Sie hat alles gegeben, was sie selbst brauchte, die Reichen haben nur von ihrem Überfluss abgegeben.“

Auf Plakaten sammeln wir unsere Gedanken, Fragen und Antworten zu dieser Geschichte. Eine der Fragen der Jugendlichen ist: „Warum tun die Jünger nichts?“ Ich hätte mir diese Frage nie gestellt, weil mein Theologengehirn so nicht funktioniert. Die überzeugende Antwort: „Sie warten eben erst, bis Jesus sie auffordert“, kommt nicht etwa aus einem Lehrbuch über das Neue Testament, sondern von den Konfirmanden. Ich lerne in diesem Moment viel über unser Leben heute. Wie oft meinen wir, in der Nähe von Jesus zu sitzen. Wir behaupten immer wieder, dass wir seine Gemeinde sind und begriffen haben, worum es ihm geht. Und dann sind wir doch genauso verblüfft wie die Jünger damals, als sie sehen, wie eine arme Frau alles hergeben kann, was sie besitzt. Und wir tun erst mal… nichts. Ich lerne: Es geht Jesus gar nicht um Moral. Er fordert uns gar nicht auf, noch mehr zu geben.

Hinter dem Beschriebenen steckt folgende Idee: Wir leben heute in einer sehr unübersichtlichen und auch bedrohten Welt. Diese Welt braucht nicht immer noch schlauere Leute mit immer noch klügeren Methoden, die immer noch mehr Wissen zu uns bringen. Diese Welt braucht Orte und Zeiten, um gemeinsam zu entdecken, wie wir leben können, glücklich sein können, vertrauen können, glauben können. Die Bibel kann uns dabei sehr nützlich sein. Um sie zu verstehen, sind nicht immer ausgewiesene Experten nötig. Eher bedarf es Menschen, die sich zeigen mit ihrem Glauben, mit ihren Zweifeln und Fragen, mit ihrer Neugier auf neue Antworten.

Auch in der Pädagogik, sofern sie sich mit Gott beschäftigt, wird in der letzten Zeit diese Meinung immer deutlicher vertreten. Schon kleine Kinder können für die tiefgründigen Wahrheiten der Bibel Experten sein. Ebenso Jugendliche, aus religiösen genauso wie aus nicht religiösen Elternhäusern, egal, wie bildungsfern oder -nah. Es können also auch Konfirmanden unterrichten.

Ihr Norbert Harms

Gottesdienste

Sonntag, 23. 7.

10 Uhr, Kirche
Der Talar – ein Missverständnis
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastor Kramer

Sonntag, 30. 7.

10 Uhr, Kirche
Hunger (Johannes 6, 30-35
Pastor Kramer

Samstag, 5. 8.

9 Uhr, Kirche
„Irgendwie anders“ – Ökumenischer Gottesdienst zum Schulanfang
Pastoralreferent Gebbe, Pastor Kramer und Findorffer Grundschüler

Sonntag, 6. 8.

10 Uhr, Kirche
Die Völkerwallfahrt zum Zion
Gottesdienst mit Abendmahl
Pastorin Witte

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

18.30 Uhr, Kapelle
Kurzfilmandacht
Pastorin Witte

Sonntag, 13. 8.

10 Uhr, Klostergarten
Taufgottesdienst
Pastor Harms

Freitag, 18. 8.

18 Uhr, Kirche
Begrüßungsgottesdienst für die neuen Konfirmanden
Anschließend Konfi-Party im Gemeindezentrum
Pastor Harms

Sonntag, 20. 8.

10 Uhr, Kirche
Weil Gott treu ist – Gottesdienst zum Israelsonntag
Pastor Kramer

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

Sonntag, 27. 8.

10 Uhr, Kirche
Gottesdienst
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastorin Witte

18 Uhr, Kapelle
Taizé-Andacht
Verena Maier, Tabea Lenzen und Sonja Großewinkelmann