Osternacht

Es ist kurz nach fünf, noch vor der Dämmerung, und in der ganzen Stadt riecht es nach Rauch von den zahlreichen Osterfeuern, die am Abend vorher gebrannt haben. Auch auf dem Platz vor der Kirche hat unser Küster Martin Hallmen einen Feuerkorb aufgestellt, in dem die Scheite krachen. Langsam kommen immer mehr Menschen dazu, stellen sich in den Kreis, und wir singen gemeinsam: „Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet.“ So hat Jesus die Jünger gebeten, bei ihm zu bleiben – in der Nacht vor seinem Tod (Mt 26, 38). Sie sollten ihm beistehen in seiner Angst und Verzweiflung, aber sie schliefen bald ein.

Wir haben uns an diesem Ostermorgen noch vor Tau und Tag versammelt, um die Auferstehung Jesu Christi zu feiern. Schon im 2. und 3. Jahrhundert haben sich Christen in dieser Nacht getroffen, um den Aufgang der Sonne am Ostermorgen als Zeichen der neu belebten Hoffnung mitzuerleben. Der Osternacht-Gottesdienst galt als der bedeutendste des ganzen Jahres.

Wir tasten uns in die Kirche, die noch ganz dunkel ist. Nicht einmal die Gesichter der Nachbarn können wir erkennen. Jetzt werden Abschnitte aus der Bibel vorgelesen, die wir in der Dunkelheit besonders intensiv hören: Von der Schöpfung der Welt, von der Sintflut und dem Bund Gottes mit Noah, vom Auszug Israels aus der Sklaverei, schließlich vom Leiden und Sterben Christi. Dazwischen Stille, die uns Gelegenheit gibt, mit unseren Gedanken zu Gott zu kommen.

Und dann hören wir das Osterevangelium von den Frauen, die den toten Jesus im Grab salben wollten, aber auf den Auferstandenen trafen. Feierlich wird die Osterkerze in die immer noch dunkle Kirche getragen, und wir singen: „Christ unser Licht – gelobt sei Gott“. Am Altar wird die Osterkerze aufgestellt, das Licht wird ausgeteilt, jeder bekommt eine Kerze und gibt mit dem Licht auch die Auferstehungsfreude weiter. Schließlich rufen wir – damit wir es auch wirklich glauben dreimal – „Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“.

Jetzt dämmert es langsam, und mit dem Schein unserer Kerzen können wir die alten Osterlieder singen. Bislang hat die Orgel geschwiegen, aber nun braust es mit Macht durch die Kirche und weckt unsere Ohren: „Christ ist erstanden von der Marter alle.“ Wir lassen uns auch an die Taufe erinnern, denn der Ostermorgen mit seiner Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod ist seit alters her ein guter Termin für das christliche Grundritual. Und schließlich erinnern wir uns an Jesus Christus auch in der Form, dass wir Abendmahl feiern, in einem großen Kreis, zu dem alle eingeladen sind. Wir sehen und schmecken, wie freundlich Gott ist. Die Ehrenamtlichen, die den Gottesdienst mitgestalten, tragen Fürbitten vor und wir lassen uns segnen.

Wir sind froh, uns so früh aus den Federn gequält zu haben. Es ist doch etwas anderes, ob wir nur davon sprechen, dass der auferstandene Christus das Licht der Welt ist und es auch in unserem Leben hell macht – oder ob wir es auch leibhaftig erleben.

Und jetzt – es ist etwa halb acht – wartet ja auch ein köstliches Frühstück auf uns. Im Gemeindesaal ist gedeckt, der ersehnte Kaffee duftet – es ist wirklich Ostern! Welche Freude!

Ihr Pastor Kramer

Gottesdienste

Sonntag, 23. 7.

10 Uhr, Kirche
Der Talar – ein Missverständnis
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastor Kramer

Sonntag, 30. 7.

10 Uhr, Kirche
Hunger (Johannes 6, 30-35
Pastor Kramer

Samstag, 5. 8.

9 Uhr, Kirche
„Irgendwie anders“ – Ökumenischer Gottesdienst zum Schulanfang
Pastoralreferent Gebbe, Pastor Kramer und Findorffer Grundschüler

Sonntag, 6. 8.

10 Uhr, Kirche
Die Völkerwallfahrt zum Zion
Gottesdienst mit Abendmahl
Pastorin Witte

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

18.30 Uhr, Kapelle
Kurzfilmandacht
Pastorin Witte

Sonntag, 13. 8.

10 Uhr, Klostergarten
Taufgottesdienst
Pastor Harms

Freitag, 18. 8.

18 Uhr, Kirche
Begrüßungsgottesdienst für die neuen Konfirmanden
Anschließend Konfi-Party im Gemeindezentrum
Pastor Harms

Sonntag, 20. 8.

10 Uhr, Kirche
Weil Gott treu ist – Gottesdienst zum Israelsonntag
Pastor Kramer

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

Sonntag, 27. 8.

10 Uhr, Kirche
Gottesdienst
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastorin Witte

18 Uhr, Kapelle
Taizé-Andacht
Verena Maier, Tabea Lenzen und Sonja Großewinkelmann