Weitblick

Es ist Mitte Januar. Ich war beim Sehtest. Der Optiker hält eine Brille für die beste Lösung. Die einzig sinnvolle. Ich muss – wie immer – loslassen: diesmal einen weiteren Teil meiner Jugend. Meine Augen sehen nicht mehr deutlich, was weit entfernt ist. Wenn Sie also im März diesen Artikel in der Hand halten werden, ist die Nachricht „Pastor Harms trägt jetzt auch eine Brille!“ schon keine Neuigkeit mehr.

Ich werde alt. Es gibt Altersforscher, die sagen, dass das Altwerden schon mit der Geburt beginnt… Das ist jetzt aber gar nicht mein Thema. Ich bin in dieser Gemeinde alt geworden. Ich bin hier gern. Ich mag meine Gemeinde, und ich möchte Ihnen sagen, warum. Dafür blicke ich zurück. Damit geht es mir fast so wie beim Sehtest.

Manches allerdings bleibt in der Erinnerung deutlich, obwohl es weit weg ist. Dazu gehören zuerst die vielen persönlichen Begegnungen, aus denen ein tiefes Vertrauen entstanden ist: beim Taufgespräch wie beim Gespräch mit Brautleuten oder in der Trauer, im und nach dem Gottesdienst wie beim Seniorennachmittag, in den Gruppen und Gremien oder beim zufälligen Zusammentreffen im Stadtteil.

Anderes verschwimmt, weil es inzwischen so weit weg ist: „Dich habe ich getauft? Kann ich mir nicht vorstellen!“ Aber es stimmt wohl doch. Ich stehe in der Urkunde. „Du warst damals mit uns auf dem Freimarkt.“ „Nein. So was hätte ich nie mit meinen Konfirmanden gemacht.“ Aber es war wohl tatsächlich so. Was man so alles macht, wenn man jung ist. Als junger Mensch (ein 30-Jähriger gehört natürlich für die Konfirmanden auch schon zu den älteren) kam ich am 1. März 1992 nach Findorff. Bei mir waren damals (!) meine erste Frau und meine 11-jährige Tochter. Von Bremen wusste ich nichts. Heute bin ich hier fester verwurzelt, als ich es mir je hätte träumen lassen.

Ich sitze beim Schreiben dieser Zeilen am Markt in einem Café. Es gefällt mir. Am Nebentisch sitzen zwei Frauen aus der Gemeinde. Ich freue mich. Wir begrüßen uns. Zum Glück melden sich in meinem Ohr die Worte vieler Generationen Jugendlicher: „Du redest immer so lange…“ Also gut. Diesmal nicht. Ich lasse die beiden in Ruhe und wende mich wieder meiner Aufgabe zu.
Es ist so, wie ich es schreibe. Ich fühle mich hier wohl. Manche, viel älter als ich, erzählen, ich hätte damals dauernd und überall gesagt, es sei heutzutage wichtig, dass ein Pastor nicht zu lange in einer Gemeinde bleibt. Sonst würde ja nichts Neues mehr entstehen, und es gäbe keine Entwicklung mehr in der Gemeinde. „Und das, kaum, dass wir Sie gewählt hatten…!“ Ja ja, so redet man halt als junger Mensch. Heute bin ich hier also ziemlich tief verwurzelt, trotz einer tiefen Entwurzelungskrise im Jahr 2008. Ja ja, das ist auch schon wieder so lange her.

Ich blicke auf und sehe hinüber zum Käsestand: Wer könnte das da drüben sein? Wie gesagt, ich erkenne nicht mehr so gut, was weit weg ist. Aber bald wird meine neue Brille fertig sein. Dann sehe ich wieder alles deutlich. Zum Glück gibt es keine Fernsichtbrille für zeitliche Entfernungen. So kann ich meinen Artikel schließen mit einem Blick nach vorn: In der Zukunft, die ich überblicken kann, möchte ich noch Ihr und Euer Pastor bleiben. Aber was ganz weit weg ist, kann ich von hier aus nicht so gut erkennen. Muss ich auch nicht.

Norbert Harms

Gottesdienste

Sonntag, 23. 7.

10 Uhr, Kirche
Der Talar – ein Missverständnis
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastor Kramer

Sonntag, 30. 7.

10 Uhr, Kirche
Hunger (Johannes 6, 30-35
Pastor Kramer

Samstag, 5. 8.

9 Uhr, Kirche
„Irgendwie anders“ – Ökumenischer Gottesdienst zum Schulanfang
Pastoralreferent Gebbe, Pastor Kramer und Findorffer Grundschüler

Sonntag, 6. 8.

10 Uhr, Kirche
Die Völkerwallfahrt zum Zion
Gottesdienst mit Abendmahl
Pastorin Witte

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

18.30 Uhr, Kapelle
Kurzfilmandacht
Pastorin Witte

Sonntag, 13. 8.

10 Uhr, Klostergarten
Taufgottesdienst
Pastor Harms

Freitag, 18. 8.

18 Uhr, Kirche
Begrüßungsgottesdienst für die neuen Konfirmanden
Anschließend Konfi-Party im Gemeindezentrum
Pastor Harms

Sonntag, 20. 8.

10 Uhr, Kirche
Weil Gott treu ist – Gottesdienst zum Israelsonntag
Pastor Kramer

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

Sonntag, 27. 8.

10 Uhr, Kirche
Gottesdienst
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastorin Witte

18 Uhr, Kapelle
Taizé-Andacht
Verena Maier, Tabea Lenzen und Sonja Großewinkelmann