Der Azubi-Pastor

Seit einigen Monaten taucht im „mittendrin“ und in der Gemeinde immer wieder ein gewisser „Vikar Rogge“ auf. Zeit, einmal Person und Funktion auf die Spur zu kommen. Was ist das eigentlich Sonderbares, ein Vikar, lieber Benedikt Rogge?

Das lateinische „Vicarius“ bedeutet „Stellvertreter“. Als Vikar darf ich einen Pastor vertreten, obwohl ich selbst noch keiner bin. Denn das Vikariat ist die Phase der praktischen Vorbereitung auf den Beruf des Pastors. Sie folgt auf das Theologiestudium und entspricht dem staatlichen „Referendariat“, etwa bei angehenden Lehrern oder Rechtsanwälten. 2,5 Jahre dauert sie und schließt mit einem kirchlichen Examen ab.

Und was treibt ein Vikar den lieben langen Tag?

Die Ausbildung findet zum einen in der Gemeinde, zum anderen im sogenannten Predigerseminar statt. Seit Ende Oktober 2015 lerne ich ja nun bei Ihnen und Euch im Alltag das pastorale „Kerngeschäft“: Predigten schreiben, Gebete verfassen, Taizé-Andachten vorbereiten, liturgische Gesänge einüben, Gottesdienste halten, Trauerfeiern gestalten, Seelsorgegespräche führen… Im März habe ich mit dem Ehepaar Kohlmann zum ersten Mal eine Trauung vornehmen und im April mit Theo Simonsen und Lewin Grapp zum ersten Mal Mitglieder unserer Gemeinde taufen dürfen. Das ist einfach schön! Seit März bin ich auch in der Arbeit mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden und in der Kinderkirche aktiv. Ob jung, ob alt: Menschen in ihrem Leben mit ihren Fragen und Hoffnungen, ihrem Glauben und Zweifeln begegnen und sogar begleiten zu dürfen, das macht für mich diesen Beruf so besonders.

Ansonsten bin ich bei unterschiedlichen Unternehmungen hospitierend dabei, seien es nun Kirchenvorstandssitzungen, Dienstbesprechungen u.a. Sehr wichtig ist im Vikariat der Mentor, in meinem Fall Pastor Klaus Kramer, der mich auf meinem Weg anleitet. Und der – darf ich das jetzt hier sagen? Ich mach‘s einfach! – mich nicht nur inhaltlich intensiv und konstruktiv betreut, sondern – jetzt wird es eine wahre Lobeshymne – mich auch menschlich großzügig, geduldig und unterstützend begleitet. Ein Glücksfall für mich.

Der andere Teil des Vikariats spielt sich im Predigerseminar in Loccum (Landkreis Nienburg) ab. In meinem Kurs sind 25 Vikarinnen und Vikare, die aus den Landeskirchen Hannovers, Oldenburgs, Schaumburg-Lippes und Braunschweigs – ich bin der einzige Bremer – stammen. Über die gesamte Vikariatszeit verteilt verbringen wir ca. 30 Wochen im Predigerseminar. Es ist in einem wunderschönen ehemaligen Zisterzienserkloster untergebracht. Dort leben, beten, lachen, streiten, diskutieren, singen und vor allem lernen wir gemeinsam. Die Inhalte der Ausbildungseinheiten sind Theorie und praktische Übungen, insbesondere in den Feldern Seelsorge, Religionspädagogik, Gottesdienstlehre und Predigtkunst, aber auch zu Themen wie pastorale Identität, Gemeindeleitung und Spiritualität. Unter der Woche wohnen wir im Predigerseminar, am Wochenende sind wir wieder zuhause. Die Aufenthalte in Loccum, oft drei oder vier Wochen am Stück, sind schon wegen des Gemeinschaftserlebnisses bereichernd und beflügelnd. Mit Blick auf das Zusammenleben mit meiner Frau Julia und unserem bald zweijährigen Sohn Johannes (siehe Foto) sowie die Unterbrechungen meiner Arbeit in der Gemeinde sind sie aber auch ein echter Kraftakt.

Gelegentlich, bei mir ist das z.B. am 5.6. der Fall, werden wir übrigens auch in der Gemeinde von unseren Ausbildern aus Loccum und Vikarskollegen besucht und erhalten von ihnen dann Rückmeldung zu unserer Gottesdienstgestaltung.

Wie geht es dann weiter?

Wenn alles gut geht, werde ich im Frühjahr 2018 ordiniert, also „richtiger“ Pastor. Die Vikare der Bremischen Kirche arbeiten in der Regel in zwei Gemeinden – so dass mein Abschied aus der Martin-Luther-Gemeinde schon im Dezember dieses Jahres anstehen wird. Für Wehmut ist es aber noch zu früh. Ich freue mich erst mal auf den Mai, den ich komplett in der Gemeinde verbringen kann: zum Beispiel auf das Konfirmationsjubiläum an Christi Himmelfahrt, 5.5., 10 Uhr, und natürlich auf das Gemeindefest am 28.5.!

Benedikt Rogge und mittendrin

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Gottesdienste

Sonntag, 23. 7.

10 Uhr, Kirche
Der Talar – ein Missverständnis
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastor Kramer

Sonntag, 30. 7.

10 Uhr, Kirche
Hunger (Johannes 6, 30-35
Pastor Kramer

Samstag, 5. 8.

9 Uhr, Kirche
„Irgendwie anders“ – Ökumenischer Gottesdienst zum Schulanfang
Pastoralreferent Gebbe, Pastor Kramer und Findorffer Grundschüler

Sonntag, 6. 8.

10 Uhr, Kirche
Die Völkerwallfahrt zum Zion
Gottesdienst mit Abendmahl
Pastorin Witte

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

18.30 Uhr, Kapelle
Kurzfilmandacht
Pastorin Witte

Sonntag, 13. 8.

10 Uhr, Klostergarten
Taufgottesdienst
Pastor Harms

Freitag, 18. 8.

18 Uhr, Kirche
Begrüßungsgottesdienst für die neuen Konfirmanden
Anschließend Konfi-Party im Gemeindezentrum
Pastor Harms

Sonntag, 20. 8.

10 Uhr, Kirche
Weil Gott treu ist – Gottesdienst zum Israelsonntag
Pastor Kramer

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

Sonntag, 27. 8.

10 Uhr, Kirche
Gottesdienst
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastorin Witte

18 Uhr, Kapelle
Taizé-Andacht
Verena Maier, Tabea Lenzen und Sonja Großewinkelmann