Katechismus und Erlebnis

Kennen Sie noch die Mol-Zahl von Wasserstoff? Oder können Sie die „Glocke“ aufsagen? Vielleicht wissen sie das eine oder andere von dem, was Sie in der Schule (auswendig) gelernt haben, noch heute – mit Ach und Krach. Was Sie aber auf jeden Fall erinnern, ist die tolle Farbreaktion im Chemie-Unterricht oder wie sie auf der Klassenfahrt nach langer Wanderung und viel Gejammer doch noch auf dem Berggipfel standen. Besondere Erlebnisse, die Menschen, mit denen man es zu tun hatte, und das, was man in seinem Leben später wirklich braucht – das bleibt hängen.

Mit den Konfirmationsgottesdiensten im April und Mai endet auch in diesem Jahr eine für die Jugendlichen bewegende Zeit. In verschiedenen Unterrichtsmodellen haben sie sich in ihrer Gruppe getroffen, gespielt, in der Bibel gelesen, Freizeiten und Aktionen erlebt, Abendmahl gefeiert und hin und wieder auch ein Arbeitsblatt ausgefüllt. Was bleibt davon hängen? Wie ist Konfirmandenunterricht nachhaltig?

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, was Unterrichtende immer wieder feststellen: Es sind nicht unbedingt die Inhalte, an die man sich später erinnert. Zwar verwende ich als Unterrichtender Sorgfalt darauf, einen stimmigen Themenplan aufzustellen, in dem auch die „klassischen“ Katechismus-Themen vorkommen: das Gottesbild, die Geschichte und Geschichten von Jesus Christus, die Bibel und ihre Entstehung, die Gebote, Gebet und Vaterunser usw. Aber ich stehe immer wieder in der Zwickmühle, ganz viele Themen weglassen zu müssen, die „eigentlich“ auch noch wichtig wären: die Frage der Gerechtigkeit, die Ökumene der weltweiten Kirchen, die anderen Religionen…

Und vor allem finden Konfirmanden, wenn sie befragt werden, ganz andere Dinge als die Themen am Unterricht bedeutsam – also als etwas, mit dem sie ihr Leben und ihre Welt deuten können. Sie erinnern sich aber daran, was man getan hat. Und wie die Atmosphäre war. Und was in der Gruppe passiert ist. Was sie auf der Freizeit erlebt haben – und wie der Pastor auf sie gewirkt hat.

Das „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ ist keine neue Erfindung. Aber es stellt mich als Unterrichtenden immer wieder vor schöne Herausforderungen. Die Konfirmanden haben Fragen – welche sind das? Was antwortet die christliche Tradition? Und wie gestalten wir unsere gemeinsame Zeit so, dass wir über die Fragen und die Antworten nicht bloß reden, sondern dabei etwas erleben, erfahren und tun? Wie können sich Konfirmanden am Unterricht, den Freizeiten, Aktionen und Gottesdiensten so beteiligen, dass sie spüren: Es geht um mich! Ich kann den Glauben selbst in die Hand nehmen! Ich erlebe den Gott, zu dem wir beten, ich vertraue der Kraft des Segens, den ich mitspreche, und ich kann selber sagen, wie der Gott ist, an den ich glaube!

Nicht immer klappt es mit dem Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Manche mögen nicht auf Freizeiten fahren, weil das für sie zu anstrengend ist. Manchmal schwappt so viel Aggression aus der Lebenswelt der Jugendlichen in den Unterricht, dass eine gemeinsame Verständigung kaum möglich ist. Und manchmal meine ich, ein bestimmtes Thema doch noch durchsetzen zu müssen – obwohl eigentlich doch etwas ganz anderes „dran“ ist. Und doch ist dies: Erlebnis, Gestaltung, Übung und Beteiligung – die Art, wie der eigene Glaube bei den Konfirmanden weiter wächst.

Einige besonders schöne Blüten können sie sich anschauen – bei den Konfirmationsgottesdiensten am Sonntag, 24. 4., 1. 5. und 8. 5., 10 Uhr.

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