Annäherung an Ostern

Lukas erzählt in seinem Evangelium vom Tod Jesu am Kreuz, aber auch von seiner Auferstehung. Dann beschreibt er, wie der Auferstandene an der Seite der Emmaus-Jüngern deren Weg von Jerusalem nach Emmaus mitgeht. „Sie aber erkannten ihn nicht, ihre Augen waren wie zugehalten.“ (Lukas 24)

Warum erkennen die Jünger ihn nicht? Halten Sie sich doch einmal die Augen zu – dann können Sie am eigenen Leib erfahren, warum es den Emmaus-Jüngern nicht möglich war, den auferstandenen Jesus zu erkennen. Die Jünger waren auf der Flucht. Auf der Flucht vor dem Schmerz, den das trostlose Sterben Jesu mit sich gebracht hatte. Sie hatten gehofft, mit seinem Kommen würde das Reich Gottes Wirklichkeit. Aber nun nimmt sie der Schmerz, nimmt sie die Enttäuschung so gefangen, dass sie die Welt um sich herum nicht mehr wahrnehmen.
Johannes erzählt etwas Ähnliches von Maria. Sie rennt allerdings vor dem Sterben und dem Tod nicht davon. Vielmehr „beugt sie sich in die Grabkammer hinein“. Aber auch sie erkennt den Auferstandenen nicht, als er plötzlich vor ihr steht: „Sie sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass er es war.“ (Johannes 20)

Ich glaube an Jesus Christus, auferstanden von den Toten… . Wie glaube ich das richtig? Kann man das überhaupt „richtig“ glauben? Zum Glück hing mein Glaube noch nie an dieser Frage. Der Glaube an die Auferstehung verändert sich, entwickelt sich und wächst, manchmal schnell, manchmal sehr langsam. Das ist normal. Das war offenbar schon bei denen so, die ja noch in ihrem Leben Jesus leibhaftig an ihrer Seite hatten.

Offenbar ließen sich von Beginn an diese sehr persönlichen Erfahrungen der Auferstehung nicht festhalten. Das erfahren die Emmaus-Jünger in dem Moment, als ihnen dann doch endlich die Augen aufgehen und sie Jesus erkennen: In demselben Moment verschwindet er vor ihnen (Lukas). Und das erfährt auch Maria. Als sie ihn erkennt, wehrt Jesus sie ab: „Rühr mich nicht an!“ (Johannes)

Auch das gehört zu Ostern: das Eingeständnis, dass in uns eine tiefe Sehnsucht ist, das Leben, das wir mit einem Menschen geteilt haben, festzuhalten, und das Eingeständnis, dass neues Leben erst dann entstehen wird, wenn ich bereit bin, dieses bisherige Leben loszulassen.
Nun frage ich mich: Hat es die Emmaus-Jünger wirklich gegeben? Hat Maria sich tatsächlich in die Grabkammer gebeugt? Für mich sind diese Fragen nutzlos. Was mir aber nutzt, steht bei den Emmaus-Jüngern: Es brannte wie Feuer in meinem Herz, als er mit mir unterwegs war. Und er wird auch in Zukunft mit mir unterwegs sein. Und er wird mir helfen, mich immer wieder dem Leben zuzuwenden, das vor mir liegt.

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