Vielfalt bewegt uns

25 Jahre Inklusion. Das feiert die Kindertageseinrichtung am 18. November, 17 Uhr. Leiterin Kerstin Wührmann wuchs als Nachfolgerin von Axel Antons in das Konzept der – damals noch – Integration hinein. Angefangen hat alles aber bereits mit Margret Kollmeier.

mittendrin: Integration bzw. Inklusion: Wie haben die vorherigen Leiter dazu gearbeitet?
Kerstin Wührmann: Ich habe viel von meinen Vorgängern erfahren. Sie haben schon vor über 27 Jahren die Kinder aus den geschlossenen Heimen geholt und in die Gruppen integriert. Das war etwas ganz Neues; Bremen war deutschlandweit Vorreiter. Mit Axel Antons habe ich mich ausgetauscht. Er hat sehr konzeptionell gearbeitet mit den Kollegen. Sie haben einzelne Elemente aus dem Tagesablauf wie zum Beispiel den Morgenkreis sehr detailliert betrachtet, immer mit der Frage: Was ist pädagogisch sinnvoll? Was brauchen die Kinder?

Inklusion findet im Kopf statt, so haben Sie es schon öfter formuliert. Gibt es also keine Behinderten mehr?
Der Ausdruck behindert oder Behinderte hat zur Stigmatisierung geführt. Wir kämpfen aber gegen Ausgrenzung. Heute würde ich das Wort so benutzen, dass die Gesellschaft diese Menschen behindert. Wenn wir überall Fahrstühle hätten, wäre es beispielsweise als Rollstuhlfahrer kein Problem. Die Krankenkassen katalogisieren zwar Kinder mit Beeinträchtigungen, aber das hat mit unserer Arbeit nichts zu tun. Wir sprechen über Kinder mit ausgewiesenem Förderbedarf. Wobei alle Kinder Förderung brauchen, entsprechend ihrem Entwicklungsstand. Uns geht es darum zu erkennen, was der nächste Entwicklungsschritt für jedes Kind ist, wie wir das anbahnen und weiterhelfen können.

Aber es ist doch trotzdem nicht möglich, dass alle Kinder alles machen können?
Nicht alle nehmen an allem teil. Für mich ist es wichtig zu wissen, wer dies entscheidet. Grundsätzlich ist viel möglich. Ich glaube, dass alle Kinder Leistung bringen wollen. Sie wollen gesehen, mitgestalten und wertgeschätzt werden, und sie wollen sinnvolle Dinge für die Gruppe tun. Da beginnt Teilhabe: dürfen sie das oder nicht. Kinder, die etwas machen möchten, finden in der Gruppe überwiegend andere, die mitmachen wollen und eben auch solche, die es nicht möchten, es sich nicht zutrauen, keine Lust oder Angst haben oder nicht können. Wichtig ist, dass die Gruppe sich damit beschäftigt. Das heißt nicht, dass die Gruppe auf irgendetwas verzichten muss, sondern dass die Gruppe es verstehen muss, warum dies Kind das nicht will und ein anderes es nicht kann. Ziel ist es, eine gemeinsame Lösung zu finden, mit der alle möglichst zufrieden sind. Und das bedeutet nicht, dass alle alles machen müssen. Dann bleibt eben manchmal eine kleine Gruppe in der Einrichtung und ist zufrieden, weil sie gehört und respektiert wurde. Wir sind hier mehr als demokratisch. Wenn Kinder öfter bei der Minderheit sind und trotzdem mit müssen, erleben sie, dass ihre Meinung nicht zählt und verlieren die Lust, ihre Meinung zu sagen. Kinder brauchen Erwachsene, die solche Prozesse moderieren. Alle sollen das Gefühl bekommen: Ich bin hier richtig, und ich bin wichtig; ich werde gehört und gestalte mit. Gleichzeitig gehören Abwarten, Empathie und sich zurückzunehmen auch zu den Verhaltensmustern, die geübt werden.

Empathie und Engagement. Seit September gibt es noch eine 7. Gruppe. Wie ist das gekommen?
Im Stadtteil haben viele Kinder keinen Kindergartenplatz erhalten. Die Behörde ist daraufhin auf uns zugegangen. Während des Umbaus hatten wir schon einmal Kinder in den Räumen des Gemeindezentrums untergebracht. Der Vorstand beschloss daraufhin, eine 7. Gruppe einzurichten. Es ist eine sehr gemischte Gruppe mit vielen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen. Die Eltern sind froh, dass sie einen Platz haben. Das merkt man es auch den Kindern an. Sie kommen gerne und können ihre Eltern loslassen. Das Mitarbeiterteam hat beschlossen, dass die 7.Gruppe in der Kita bleibt und eine bestehende Gruppe umzieht ins Gemeindehaus. Das läuft im Augenblick gut und bleibt spannend.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team weiterhin viel Freude und Erfolg in Ihrem Engagement gegen Ausgrenzung und für Inklusion.

Das Interview führte Elsbeth Menze-Dittmayer.

Freitag, 18. 11., 17 Uhr, Kita und Gemeindesaal

Vielfalt bewegt uns – 25 Jahre von der Integration zur Inklusion

Sie sind herzlich eingeladen zu einer Führung durch die Kindertagesstätte und anschließendem Empfang und Feier im Gemeindesaal.

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Gottesdienste

Sonntag, 23. 7.

10 Uhr, Kirche
Der Talar – ein Missverständnis
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastor Kramer

Sonntag, 30. 7.

10 Uhr, Kirche
Hunger (Johannes 6, 30-35
Pastor Kramer

Samstag, 5. 8.

9 Uhr, Kirche
„Irgendwie anders“ – Ökumenischer Gottesdienst zum Schulanfang
Pastoralreferent Gebbe, Pastor Kramer und Findorffer Grundschüler

Sonntag, 6. 8.

10 Uhr, Kirche
Die Völkerwallfahrt zum Zion
Gottesdienst mit Abendmahl
Pastorin Witte

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

18.30 Uhr, Kapelle
Kurzfilmandacht
Pastorin Witte

Sonntag, 13. 8.

10 Uhr, Klostergarten
Taufgottesdienst
Pastor Harms

Freitag, 18. 8.

18 Uhr, Kirche
Begrüßungsgottesdienst für die neuen Konfirmanden
Anschließend Konfi-Party im Gemeindezentrum
Pastor Harms

Sonntag, 20. 8.

10 Uhr, Kirche
Weil Gott treu ist – Gottesdienst zum Israelsonntag
Pastor Kramer

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

Sonntag, 27. 8.

10 Uhr, Kirche
Gottesdienst
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastorin Witte

18 Uhr, Kapelle
Taizé-Andacht
Verena Maier, Tabea Lenzen und Sonja Großewinkelmann