Konfirmation – damals und heute

In meinem Bücherschrank entdeckte ich ein Konfirmandenbüchlein von W. Ziethe um 1870 geschrieben. In seinem „Wegweiser für junge Wanderer am Scheidewege“ mahnt er, sich nicht den „Werken des Fleisches“ hinzugeben, weil dann am jüngsten Gericht die Hölle drohe. Was hat sich ca. 150 Jahre nach dem Konfirmandenbüchlein getan? Wie gestaltete sich der Unterricht vor etwa 50 Jahren und was gibt man den Konfirmanden heute in der Martin-Luther-Gemeinde mit auf den Weg? Monika Serfass, Jasmin Willker und Hella Hofmann teilten mir ihre Erfahrungen mit.

Monika wurde am 4. Mai 1969 in der Bremer Domgemeinde konfirmiert. Das erste Unterrichtsjahr absolvierte sie in Köln. Sie musste die Zehn Gebote auswendig lernen – mit den Erklärungen, versteht sich – dazu das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, wichtige Bibelstellen und die bekanntesten Kirchenlieder. Monika ist dort gerne hingegangen. Dann kam der Umzug nach Bremen. Eine andere Stadt, eine neue Schule, die Trennung von den Freunden. Monika wußte gar nicht, zu welcher Gemeinde sie gehört. Sie geht einfach mit zwei Mitschülerinnen zum Dom. An den Unterricht hat sie kaum Erinnerungen. Die Wochenendfahrt nach Seebergen war ein schönes Erlebnis. Der Konfirmation im Mai ging eine Art Prüfung voraus, die aber außerhalb des Gottesdienstes abgehalten wurde. Es war kein strenges Abfragen, aber ihr war schon mulmig zu Mute. Am Konfirmationstag selbst, kamen die Schwester, der Schwager und die Mutter zum Gottesdienst und zur Feier. Monika fühlte sich verkleidet in dem weißen Minikleid, mit zurechtgemachten Haaren und Schminke im Gesicht. Derweil feierte die Verwandtschaft in Köln. Monika erinnert sich daran, Schmuck geschenkt bekommen zu haben, und eine besondere Freude machte ihr eine Doppel-LP von den Bee Gees.

Dass es schon damals in Bremen eine bunte Vielfalt im religiösen Miteinander gab, davon zeugen die Aussagen von Hella, die am 21. Mai 1965 in der Rembertigemeinde konfirmiert wurde: „Der Inhalt unserer Unterrichtsstunden war sehr abwechslungsreich. Ein besonderer Wert nahm die Kirche als ein Bauwerk in Deutschland ein. Mein Konfirmandenunterricht war sehr offen. Es wurde immer wieder die Frage gestellt, wo fühle ich Gott – was ist für mich Glaube!“ Auch in Remberti gehört eine Ausfahrt zum Programm. 14 Tage verbrachten die Konfirmanden im Zeltlager und konnten sich so ein halbes Jahr Unterricht ersparen. Vor dem Konfirmationsgottesdienst fand eine Sitzprobe in festlicher Kleidung statt. Konfirmiert wurden die Mädchen in Weiß mit Maiglöckchen und Spitzentaschentuch, dem Tränentuch.

Wo fühle ich Gott? Was ist für mich Glaube? Das bewegte auch Jasmin Willker, die vor drei Jahren in der Martin-Luther-Gemeinde konfirmiert worden ist. Anschließend hat sie den „KonfiAss“ absolviert, und damit die Befähigung erworben, als Assistenz in Konfirmandengruppen zu arbeiten. Jasmin denkt gern an ihren eigenen Konfirmandenunterricht zurück. Es ging in erster Linie darum, den persönlichen Glauben zu finden. Auswendig lernen musste man nichts. Das Vaterunser z. B. wurde aber Satz für Satz ausführlich besprochen, so dass Jasmin es schließlich so vertraut wurde, dass sie es mitsprechen konnte. Neben dem Lesen in der Bibel erfuhr die Gruppe damals, dass es ganz verschiedene Wege geben kann, seinen Glauben zu leben und zu beten.

Zweimal ging die Gruppe auf eine Konfirmandenfreizeit. Den Konfirmationsgottesdienst haben die Jugendlichen mitgestalten dürfen. Jasmin hat sich auch getraut, eine aktive Rolle zu übernehmen und empfand das sogar als hilfreich gegen die Aufregung und die ungewohnte Aufmerksamkeit, die die festlich gekleideten Jungen und Mädchen auf sich zogen. Den Konfirmationsspruch durften sich die Konfirmanden frei aussuchen, auch wenn es dadurch Wiederholungen gab. Ebenso konnten sie sich frei entscheiden, wie sie sich für den Gottesdienst kleiden wollten; sie sollten sich wohlfühlen. Zu Jasmins Konfirmationsfeier kam die ganze Familie zusammen, etwa 20 Personen.

Besuchen Sie unsere Kirche im Mai. Sie werden besondere, festliche, eindrückliche Konfirmationsgottesdienste erleben – versprochen!

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Elsbeth Menze-Dittmayer