Nah am Wasser gebaut

„Der ist aber ziemlich nah am Wasser gebaut, findest du nicht?“ – „Ja, das ist er.“ – „Und?“ – „Und was?“ – „Kommt er klar, geht es ihm gut?“ – „Nun, er hält sich ganz wacker! Wenn ich mir die anderen da so anschaue, die tun sich schwerer.“ – „So?“ –„Ja, es ist ein Kommen und Gehen mit ihnen. Manche halten sich nur einen Frühling, manche ein paar Jahre, aber was sie zustande bringen ist nicht vergleichbar mit dem, was dieser tut!“ – „Was tut er denn?“ – „Hier, guck!“ – „Alles von ihm?“ – „Ja.“ – „Erstaunlich! Und strengt es ihn sehr an?“ – „Sieht nicht so aus, schau ihn dir doch an.“ – „Er ist ja auch nah am Wasser gebaut!“– „Eben!“ —>
Der 1. Psalm in der Bibel vergleicht das Leben eines Menschen, der mit Gott unterwegs ist, mit einem Baum, nah am Wasser gepflanzt: „Glücklich ist, wer Freude hat am Gesetz des Herrn und darüber nachdenkt – Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum, der nah am Wasser steht.“ Ist es um ihn herum auch heiß und trocken, er ist angeschlossen an einen Strom, der ihn mit allem Lebensnotwendigen versorgt. Nach diesem Wasser streckt der Baum seine Wurzeln aus und wächst heran. Er bringt Äste und Zweige, Blätter, Knospen und schließlich Früchte hervor.
Wenn wir Menschen in unserem Leben auf Gott stoßen, erleben wir die Begegnung mit ihm oft ähnlich, als einen überaus erfrischenden Strom, sogar in den Wüstenzeiten des Lebens. Wer das erlebt, dessen Seele wird begierig und durstig mehr von diesem Gott zu erfahren und in sich aufzusaugen. Von Gott berührt, erwacht in uns ein zartes Pflänzchen: ein Hoffen und Sehnen, Geborgenheit und Zutrauen. Das Pflänzchen wächst heran und unter Gottes Obhut entwickelt sich daraus mit der Zeit ein Baum mit einer weitverzweigten Krone. Neues tritt in unser Leben, neue Wege tun sich auf. Wir entdecken, da gibt es noch mehr Leute, die mit Gott unterwegs sind. Wir tauchen ein in eine Gemeinschaft von Gläubigen, die uns zu einer Familie werden kann. Und auch in uns selbst tut sich etwas: Dinge, die uns früher gleichgültig waren, werden auf einmal wichtig, unser Blickwinkel, unser Denken und Fühlen verändert und weitet sich.
Wie aber finden wir (zurück) zu einem frischen, lebendigen und erfüllten Umgang mit Gott?
Der fruchtbare Baum steht am Wasser, trinkt und lebt jeden Tag neu von dem Fluss, der ihn mit allem versorgt. Wenn sich Ablagerungen bilden und sich auf seine Wurzeln legen, sucht er von neuem nach dem frischen Wasser und richtet seine Wurzeln neu danach aus.
Genauso sollen wir es auch tun. Gott ist nicht fern, er ist uns nah. Auch dann, wenn wir ihn nicht (mehr) spüren. Gott verändert sich nicht und genauso wenig ändert sich seine Liebe zu uns. An genau dem Ort, an dem unser Leben verwurzelt ist und sich abspielt, ist er zu finden. Weil Jesus Christus nicht im Himmel geblieben, sondern zu uns gekommen ist, um zu suchen und zu retten, was sich verlaufen hat. Jeden, der Gott in seinem Leben verloren hat. Jesus hat uns versprochen, dass er sich finden lässt, von allen, die durstig sind und ihn von Herzen suchen.
In diesem Sinn möchte ich uns alle ermutigen: Machen wir es wie der Baum, machen wir uns auf die Suche nach dem Wasser für unser Leben, seien wir ruhig „nah am Wasser gebaut!“
Burkhard Ahlers