Martin Buber – Feierabendgottesdienst am 21. März

Würden Sie Gott siezen?

Würden Sie Gott siezen? Die deutsche Sprache sieht für die höfliche Begegnung, zumal wenn man sich unbekannt ist, das „Sie“ vor. Gott aber sprechen wir in unseren Gebeten ganz selbstverständlich mit „Du“ an. Sind wir respektlos? Nein, wir bringen etwas Wesentliches unserer Beziehung zu Gott zum Ausdruck: auch wenn wir ihn nicht so genau kennen, ist er uns vertraut und nah.
Der jüdische Philosoph, Schriftsteller und Übersetzer Martin Buber (1878 – 1965) hat sich über das „Ich“ und das „Du“ Gedanken gemacht. Als ein „Ich“ tritt der Mensch in Beziehung zur Welt. Einmal zu einem „Es“ – das ist ein sachlich-distanzierter Vorgang. So gehen wir mit den Dingen um, aber oft auch mit unseren Mitmenschen und behandeln sie kühl und leidenschaftslos. Oder das „Ich“ begegnet einem „Du“. Dann ist das Innerste des Menschen und sein ganzes Wesen beteiligt, dann geht es um Wahrhaftigkeit, dann entsteht ein echtes Gespräch. Martin Buber nannte es das „dialogische Prinzip“. Für ihn sind alle menschlichen „Du“-Begegnungen ein Echo der Begegnung mit dem „Du“ Gottes. Dass wir diesem Gott überhaupt begegnen können, dass wir mit ihm einen Dialog führen können – das ist das große Wunder angesichts des unendlichen Abstandes, der uns dennoch von ihm trennt.
Von der Begegnung der Menschen mit diesem „Du“ erzählt die Bibel. Martin Buber hat sie mit dem jüdischen Gelehrten Franz Rosenzweig ins Deutsche übersetzt. Dabei ist ein eigenwilliger Text entstanden, in dem die Fremdheit Gottes spürbar wird. Aber den heiligen Gottesnamen übertrugen sie mit der Anrede des tiefsten Vertrauens: „DU“. So wird deutlich: Gott ist nicht etwas, über das man spricht. Aber Gott spricht uns an, wo immer wir ihn bei uns einlassen.
Mit Martin Buber, der in Wien geboren wurde, im galizischen Lemberg aufwuchs, in Frankfurt lehrte, 1938 vor den Nazis nach Jerusalem fliehen konnte und dort starb, beschäftigen wir uns im Feierabendgottesdienst am Freitag, 21. März um 18 Uhr. Wir lernen dabei auch seine Beziehung zum Chassidismus kennen, der traditionellen Frömmigkeit osteuropäischer Juden.

Freitag, 21.3., 18 Uhr
Martin Buber
Feierabendgottesdienst

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