Kita-Leiterin Kerstin Wührmann

Offene Türen in unserer Kita

Für viele Eltern ist der alljährliche Tag der Offenen Tür in der Kita der Martin-Luther-Gemeinde der erste Kontakt mit unserer Kindertageseinrichtung. Eltern können unsere Räume ansehen, sich über unser Konzept informieren und die Menschen kennenlernen, die in der Kita arbeiten. Wir freuen uns auf erste interessante Begegnungen. Aber das reicht uns nicht.
Ich lade Sie herzlich ein, sich einmal eine Stunde in das Foyer der Kita zu setzen. Dann bekommen Sie einen Eindruck, wie viel Bewegung dort ist: Die Türen der Küche und des Büros stehen meist offen. Es herrscht munteres Treiben. Kinder erledigen ihre Dienste mit der Küche oder kommen ins Büro. Sie brauchen Klebestifte, eine Sanduhr als Zeitmesser für den Ausflug ins Bällebad oder wollen telefonieren, um den nächsten Ausflug zu organisieren. Eltern verweilen dort, tauschen sich aus und stellen Fragen. Besucher kommen und gehen. Hin und wieder wird ein Kreis mit Erwachsenenstühlen aufgebaut. Dann bekommen wir Besuch von anderen Fachkräften, die mehr über unser pädagogischen Konzept erfahren wollen. Wir sind Konsultations-Kita für die Schwerpunkte Partizipation (Beteiligung) und Inklusion.
Beteiligung mit Kindern zu praktizieren, bedeutet dabei mehr als demokratisch abzustimmen. Denn einige Kinder sind immer enttäuscht. Wir überlegen mit den Kindern, wie wir es schaffen, diejenigen Kinder mit ins Boot zu holen, die andere Vorstellungen und Wünsche haben oder die Abstimmung nicht verstanden haben. Wir nennen das Konsensentscheidungen. Kinder haben neben ihren Rechten der Mitbestimmung auch die Pflicht, auf andere zu achten und Verantwortung zu übernehmen.
Im Rahmen der Konsultations-Kita ist unsere Arbeit transparent: wir hinterfragen im Alltag unser Konzept. Pädagogische Fachkräfte müssen Rückmeldungen einstecken und Rückmeldungen geben. Die Erziehenden kämpfen in ihrem Umgang mit den Kindern immer auch mit der eigenen Herkunft. Das zu machen, was die Kinder brauchen und nicht das, was ich selbst schön finde – das ist die Herausforderung. Dabei helfen uns Fachberaterinnen, Supervisoren und ein kooperatives Team.
Aber auch für die Ideen und Bedürfnisse der Eltern haben wir unsere Türen mehr und mehr geöffnet. Eltern, Familie, Freunde, das sind die Lebenswelten der Kinder, zu denen wir uns dazu gesellen. Wir führen viele Gespräche mit Eltern zwischen Tür und Angel beim Bringen und Abholen. Wir freuen uns, wenn Eltern an einem Vormittag in der Gruppe ihres Kindes zu Gast sind und uns Rückmeldungen geben. Der Elternbeirat widmet sich konzeptionellen Fragen, ist Mitglied im Kindergartenausschuss der Gemeinde und bei den Planungstagen des Teams dabei. Manche Eltern treffen sich auch am Nachmittag und am Wochenende in unserer Kita. Kindergeburtstage werden im Foyer gefeiert. Der „Verein 21 hoch 3“, ein Verein für Eltern von Kindern mit dem Down-Syndrom, trifft sich in unseren Räumen. Donnerstags nachmittags bleiben Eltern bei Kaffee und Tee, tauschen sich aus und vernetzen sich. Andere Eltern bleiben während des Kita-Alltags für einen Kaffee im Elterncafé, sie harken Laub oder stellen zwischenzeitlich ihren Einkauf vom Markt ab. Wir haben gelernt, dass die Kinder davon gar nicht irritiert sind, sondern einfach weiter spielen.
Türen öffnen beschränkt sich dabei nicht nur auf unsere real offenen Türen. Auch im Umgang mit den Kindern muss bei den Erziehenden eine Öffnung erfolgen und als eine innere Haltung sichtbar werden. Kinder, die beim Lernen besondere Unterstützung brauchen, werden in Zusammenarbeit mit den Fachkräften des „Frühförderzentrum der evangelischen Kirche“ gezielt in unserem Kita Alltag gefördert. Denn die Entwicklung eines Kindes ist immer offen. Wir lassen uns gern überraschen und wollen immer wieder unvoreingenommen auf die Kinder zugehen. Manchmal sind wir Fachkräfte es, die diskutieren, ob ein Kind etwas schon kann und während wir diskutieren, macht das Kind sich von ganz allein auf den Weg. Aber auch den umgekehrten Fall kennen wir aus unserem Alltag: Ein anderes Kind ist mutig, laut und präsent. Es möchte die Kinderkonferenz leiten und plötzlich fühlt es sich dabei unwohl und überfordert. Kinder wollen lernen und sich ablösen, aber in unserer Konzeption steht auch : „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Unsere Aufgabe ist es also geduldig zu sein, zu beobachten und Kindern und Eltern Anregungen zu geben.
Es lohnt sich für uns, die Türen offen zu halten. Deshalb freuen wir uns auch über viele Begegnungen, Besucherinnen und Besucher und die Anregungen, die durch die offenen Türen in unser Haus gelangen.

Kerstin Wührmann

P.S. Ich danke Axel Jöllenbeck, Vater zweier unserer Kitakinder, für seine offenen Worte zum ersten Entwurf dieses Artikels.

Mittwoch, 8. 1., 16 – 17.30 Uhr. „Tag der offenen Tür“

Bis 27.1.2014 können Eltern ihre Kinder für eine Aufnahme im August 2014 anmelden.

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