“Ich bin mit dir und will dich segnen”

Warum taufen wir?

Antje-Kathrin Jahnke (A-KJ): Mein Kind wird getauft. Das stand für mich schon lange fest, bevor unsere Familienplanung überhaupt konkret wurde. Irgendwie gehörte es für mich bisher einfach immer dazu. Tradition eben. Richtig Gedanken über das Thema Taufe mache ich mir erst, seitdem es soweit ist: Die Tochter ist da, das Taufkleid – in dem schon meine Cousinen und Großcousinen, meine Schwester und ich getauft wurden – liegt bereit und der Tauftermin steht schon lange im Kalender.
Aber warum möchten mein Mann und ich sie eigentlich taufen lassen? Weil sie geborgen in Gottes Segen aufwachsen soll. Weil sie spüren soll, dass sie nicht alleine ist, sondern sie von uns getragen wird. Jürgen Grote, ein Liedermacher und Pastor, hat es in seinem Tauflied „Mögen Engel dich begleiten“, basierend auf Psalm 91, so ausgedrückt: „Du sollst nicht alleine gehen, wir sind alle für dich da. Wollen als Engel zu dir stehen, sagen alle zu dir ja.“ Mit der Taufe wollen wir unsere Tochter feierlich willkommen heißen in unserer Familie, auf dieser Welt. Gleichzeitig wollen wir aber auch Gott danken für dieses wunderbare Geschenk. Kurz: Wir wollen das Leben feiern.

Pastor Hans-Jürgen Jung (H-JJ):„Das Leben feiern“ ist eine gute Zusammenfassung der Bedeutung der Taufe. Die Taufe steht deshalb am Beginn des Lebensweges, aber auch später – im Konfirmandenalter, im Erwachsenenalter ist es nie zu spät. Als Aufnahmeritus in die Kirche ist die Taufe eine einmalige Zeichenhandlung. Durch das Wasser und die Worte „ich taufe Dich in den (im) Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ wird gesagt: Gott liebt mich voraussetzungslos, so wie ich bin. Mit allem, was mich und mein Leben ausmacht. Mit meinen Fehlern und mit meinen guten Eigenschaften. Nichts kann mir die Liebe von Gott nehmen. Er begleitet mich und meinen Lebensweg.

A-KJ: Mit der Entscheidung für die Taufe kommen aber auch noch weitere Entscheidungen dazu. Ein Taufspruch will gefunden werden. Hoffnung und Wünsche für die Zukunft meiner Tochter sollen in dem Spruch Ausdruck finden. Er soll sie ein Leben lang begleiten und ihr in schwierigen Situationen Mut zusprechen. Gar nicht so einfach, da den passenden Spruch zu finden. Eine weitere schwere Entscheidung: Wer soll Pate werden? Wollen wir überhaupt Paten und wenn ja, wie viele? Ein, zwei oder drei?
Wir haben uns für gute Freunde entschieden, die unsere Tochter auf ihrem Weg begleiten sollen. Und ihr ein durchaus vielfältiges Bild des Christentums vermitteln: Sie gehören verschiedenen christlichen Gemeinschaften an. Für uns ist es aber auch ein Zeichen der Wertschätzung für unsere Freunde. Wir zeigen ihnen damit, wie wichtig sie für uns sind. Dass wir wollen, dass sie am Leben unserer Tochter teilhaben. Und – auch wenn diese Auffassung längst überholt ist – wir ihnen zutrauen, für unsere Tochter da zu sein, wenn uns einmal etwas zustoßen sollte.

H-JJ: Als das Christentum zur Staatsreligion in Europa geworden war, wurden die Paten geprüft, ob sie ihrem Patenkind den rechten Glauben beibringen könnten. Heute haben Eltern oft Schwierigkeiten Paten zu finden, die einer christlichen Kirche angehören. Die gewünschten „Paten“ sollen aber dennoch das Kind begleiten. Die meisten Pastorinnen und Pastoren in der evangelischen Kirche haben Verständnis für eine sozial motivierte Patenwahl. Dennoch müssen sie darauf bestehen, dass zumindest ein Pate einer christlichen Kirche angehört. Es geht bei der Taufe nicht nur um ein schönes Familienritual, sondern auch um den christlichen Glauben, die Gemeinschaft mit Gott. Die drückt sich auch in der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gemeinschaft aus: der Kirche.
A-KJ: Als Mitglied in einer Gemeinde der Bremischen Evangelischen Kirche erhält man kurz nach der Geburt des Kindes übrigens eine Informationsbroschüre über die Taufe, die viele Fragen rund um die Taufe von Kindern und Erwachsenen beantwortet. Was bedeutet das Wasser? Wofür steht die Taufkerze? Die Broschüre enthält auch eine Liste mit beliebten Taufsprüchen. Noch mehr Sprüche und Antworten zum Thema gibt es übrigens auf www.taufspruch.de, einer Webseite der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Antje-Kathrin Jahnke

Zur Diskussion – Wir sind offen für Menschen.

heißt es in unserem Leitbild. Und die Erläuterung lautet: “Die Martin-Luther-Gemeinde sieht es als ihre Aufgabe an, Menschen in ihrem eigenverantwortlichen Glauben und Handeln zu begleiten, zu fördern und zu stärken. Wir bieten Raum für Begegnung.”

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