Alle Jahre wieder: Krippenspiel

Es begab sich aber zu der Zeit

Am Heiligabend ist unsere Kirche immer gut besucht, und das meist in allen Gottesdiensten, die an diesem besonderen Tag gehalten werden. Es gibt 14.30 Uhr immer einen frühen, kurzen für die kleineren Kinder mit Eltern. Um 17 Uhr spielen meist die Bläser. Für die Nachtschwärmer gibt es einen Spätgottesdienst um 23 Uhr. Ich selbst gehe oft um halb sieben. Mit den anderen etwa 400 Gottesdienstbesuchern zu singen und Gottesdienst zu feiern, ist für mich immer eine schöne Erfahrung.
Der Gottesdienst mit Krippenspiel ist traditionsgemäß um 15.30 Uhr. Konfirmandinnen und Konfirmanden spielen die Weihnachtsgeschichte. Da sind wirklich große Talente zu sehen. Ich bin oft sehr beeindruckt vom selbstbewussten Auftreten der jungen Leute. Einige Darbietungen halten sich eng an den Bibeltext, andere Inszenierungen erinnern an modernes Schauspiel. Ich habe die entsprechenden Stellen in der Übersetzung der „Guten Nachricht Bibel“ nachgelesen, was Matthäus und Lukas darüber schreiben. Ich muss gestehen, dass meine Vorstellung von dem, was dort geschildert wird, sich nur noch auf, die Herbergssuche, die Krippengeburt im Stall mit Ochs und Esel, die Hirten, die Engel und die heiligen drei Könige beschränkte. Nun lese ich erstaunt, dass die Evangelisten außer den Schafen gar keine Tiere erwähnen. Und heilige drei Könige kommen auch nicht vor. Es sind Sterndeuter oder Magier, weise gelehrte Leute. Meine weiteren Recherchen im Internet ergeben, dass die biblische Erzählung selbst Fragen aufwirft. Auch dass die Hirten mit ihren Schafen unterwegs waren, lässt darauf schließen, dass Jesus nicht im Winter geboren wurde. Das Datum des 25. Dezember legte Konstantin I. erst im 4. Jahrhundert fest. Und erst ein Kirchenlehrer des 8. Jahrhunderts interpretierte, dass die Magier die drei Lebensalter Kindheit, Jugend, Erwachsensein und die drei damals bekannten Erdteile repräsentierten.
Ich bin neugierig, welche Variante des Krippenspiels in diesem Jahr favorisiert wird. Dazu besuche ich Mitte November eine Probe der Konfirmandengruppe von Pastor Hans-Jürgen Jung. Das mir zugeschickte Script weist auf eine eher klassische Darbietung hin. Die Erzählerin leitet über zu den Worten des Evangelisten Lukas aus der Lutherbibel: „ Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ Auch die Liste der mitspielenden Personen weist vertraute Charaktere auf: Hirten, die drei Weisen, Engel und natürlich Maria und Joseph.
Heute ist die zweite Probe und die findet erstmals in der Kirche statt. Die Rollen wurden letztes Mal verteilt und die Kulisse ist schon aufgebaut: die Krippe mit einem großen Pferd aus Pappmaché davor, ein Licht als Feuerstelle für die Hirten und ein Thron für Kaiser Herodes. Die jungen Schauspieler sammeln sich in der Kirche. Einige sind schon verkleidet, andere studieren in ihrer Alltagskleidung noch einmal ihre Rolle. Heute muss noch keiner den Text auswendig vortragen können, denn es sind noch drei weitere Proben geplant. Die Hirten haben ein beeindruckendes Accessoire, einen mächtigen Hirtenstab aus Holz und sichtlich Spaß daran, entschlossen damit auf den Boden zu stoßen. Die Jugendlichen haben Mikrofone, damit am Heiligen Abend, wenn die Kirche voll ist, auch verstanden wird, was sie uns sagen wollen. Pastor Jung gibt Anweisungen: „Langsam, laut und deutlich sprechen!“ Ich verstehe trotz Mikrofon oder gerade wegen des Mikrofons wenig, es hallt hier so stark. „In einer vollen Kirche verliert sich der Effekt“, versichert mir Pastor Jung. Die Jungen und Mädchen, die gerade nicht an der Reihe sind, experimentieren mit den Mikros, ich höre eine kleine Percussion-Einlage, einen Wind pfeifen und ein anderer Hirte „halloht“ ins Mikrofon. Wenn sie aber an der Reihe sind, dann geben sie sich Mühe. Ich höre angenehme Stimmen, die mit Betonung und Ausdruck die Geschichte der Krippengeburt in lebendige Erinnerung bringen. Zwei junge Hirtenknaben suchen verzweifelt den Hütehund Nero, Joseph kümmert sich um seine junge Familie, die Hirten sind eben etwas ruppig, die Engel himmlisch und auch die Schriftgelehrte spielt überzeugend. Und da ist noch der Hirte Dan, ein Witzbold, der immer entscheidet, wer Recht hat und mich zum Schmunzeln bringt. Und ob der verschwundene Nero wieder auftaucht, können Sie, die Gottesdienstbesucher, am 24.Dezember erleben.
Es hat mir Spaß gemacht, bei der Probe dabei sein zu dürfen. Alle haben sich angestrengt und ihr Bestes gegeben. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden haben sich eng an den Bibeltext gehalten und sich beim Spielen vorgestellt, wie hart das Leben der Hirten gewesen sein muss. Das erklärt auch die Aufregung darüber, dass ein Hütehund einfach so verschwindet. Am Schluss ist alles so, wie es sein soll: Jesus Christus ist geboren, und das ist das, was zählt!
Elsbeth Menze-Dittmayer

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Elsbeth Menze-Dittmayer