Ich bin richtig, ich bin wichtig

Um 8 Uhr geht es los. Die ersten Kinder kommen in ihre Gruppe. Es werden Gespräche geführt, die Kinder räumen das Geschirr ein, eine Erzieherin beginnt einigen Kindern vorzulesen. Der Gruppenraum füllt sich langsam. Nach und nach kommen die anderen Kinder an. Nicht nur Kinder aus dieser Gruppe sind da, auch Kinder aus der Nachbargruppe sitzen auf dem Teppich und schauen sich Fotos und Bücher an. Am Knettisch zerschneiden Kinder Knete. Andere schieben an einer Wand Magnete und Fotos hin und her. Mit großen Lastern transportieren andere Kinder Bausteine von einer in die andere Ecke. Ein Kind sitzt auf einem Schaukelbär.
Es ist jetzt kurz vor 9 Uhr. Gleich beginnt der Morgenkreis. In der Sofaecke bauen einige Kinder aus Bänken, Stühlen und Decken eine Höhle. Sie vereinbaren gerade Regeln für ihr gemeinsames Spiel: „Du bist die Mama, ja? Und wenn ich weine dann kommst du!“ Auf dem Teppich spielt ein Kind mit einem Glockenspiel. Plötzlich wird es laut. Zwei Kinder ziehen von beiden Seiten an einem Laster. „Ich hatte das zuerst“. Dann gibt eine Erzieherin ein Signal mit dem Singspruch: „Zugehört und aufgepasst! … Wir wollen aufräumen alle zusammen!“
So geht es oft zu beim Freispiel in einer Gruppe mit großer Altersmischung. Wir Erzieherinnen beobachten, dass die Themen der Kinder unterschiedlich sind. Ebenso die Art und Weise wie sie spielen. Einige spielen Rollenspiele und verabreden dafür Regeln, andere erforschen erst mal neugierig ihr Spielzeug.
Seit dem 1.8.2013 haben Kinder unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Auch die Kita der Martin-Luther Gemeinde möchte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen. Mit dem Beginn des neuen Kindergartenjahres nach den Sommerferien wurden zwei der sechs Kitagruppen der Martin-Luther-Gemeinde zu „alterserweiterten“ Gruppen. Jetzt werden 15 Kinder im Alter von 18 Monaten bis zum Schuleintritt gemeinsam betreut. Die vier anderen Gruppen bieten weiterhin Plätze für Kinder von 3-6 Jahren. Unverändert ist auch, dass in allen sechs Gruppen Kinder mit und ohne Behinderungen oder Förderbedarf gemeinsam den Tag erleben.
Bevor die „Kleinen“ kamen, haben wir uns im Haus intensiv damit auseinandergesetzt, was Kinder für ihre Entwicklung brauchen. Durch die Alterserweiterung entstehen – auch für Einzelkinder – geschwisterähnliche Kontakte in ihrem Kita-Alltag. Ein Zweijähriger kann sich von einem älteren Kind zum Spielen und Lernen anregen lassen. Die größeren Kinder finden durch den Kontakt mit den kleineren die Möglichkeit, ihr Wissen und Können zu zeigen. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl, fördert ihr Einfühlungsvermögen und ihre sozialen Kompetenzen. Studien zeigen, dass auch Kinder, die Schwierigkeiten haben, sich in eine Gruppe einzufinden, von alterserweiterten Gruppen profitieren. Manche Eltern sorgen sich, ob ihr Kind sich in einer großen Gruppe zurechtfindet. Zugleich sehen sie aber auch die Möglichkeiten, die die Ausstattung einer Kita bietet. Sie freuen sich darüber, dass ihre Kinder sich über mehrere Jahre an den „Großen“ orientieren können.
Die Alterserweiterung hat Konsequenzen für die Kinder, das pädagogische Team und für das ganze Haus. In unserem Alltag hat sich viel verändert und alle sind herausgefordert. Die Kinder bleiben länger in der Kita. Wir Erzieherinnen arbeiten länger und partnerschaftlicher mit Kindern und Eltern zusammen. Nicht nur die Räume und das Außengelände wurden deshalb umgestaltet, sondern auch die pädagogische Arbeit im Haus. Die Mitarbeiterinnen bereiten sich intensiv vor, lesen Fachliteratur und bilden sich durch Fortbildungen weiter.
Wir legen Wert darauf, dass Kinder ihren Alltag mitgestalten. Dieses wollen wir auch in den beiden neuen alterserweiterten Gruppen beibehalten und weiterentwickeln. Durch Partizipation, Inklusion und Altersmischung – wie die pädagogischen Fachbegriffe lauten – möchten wir die Kinder auf eine Gesellschaft vorbereiten, in der alle Teil haben und wirken können.
„Ich bin richtig, ich bin wichtig!“ ist der zentrale Satz unseres Konzepts. Das üben und leben wir jeden Tag in der Kita Martin-Luther in Findorff.
Jessica Braun-Gilbert und Andrea Besser
Erzieherinnen in der Kita

Kritik oder Zustimmung?

Sie sind in den im Artikel angesprochenen Fragen und Positionen anderer Meinung möchten widersprechen oder den Autorinnen zustimmen, dann wenden Sie sich bitte an mich, Pastor Hans-Jürgen Jung, als dem presserechtlich Verantwortlichen.
Bei Interesse lädt der Kirchenvorstand Sie auch gern zur Diskussion ein. Dafür wenden Sie sich bitte an den Webmaster (moderiert; Bitte achten Sie auf die Netiquette)

Gottesdienste

Sonntag, 23. 7.

10 Uhr, Kirche
Der Talar – ein Missverständnis
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastor Kramer

Sonntag, 30. 7.

10 Uhr, Kirche
Hunger (Johannes 6, 30-35
Pastor Kramer

Samstag, 5. 8.

9 Uhr, Kirche
„Irgendwie anders“ – Ökumenischer Gottesdienst zum Schulanfang
Pastoralreferent Gebbe, Pastor Kramer und Findorffer Grundschüler

Sonntag, 6. 8.

10 Uhr, Kirche
Die Völkerwallfahrt zum Zion
Gottesdienst mit Abendmahl
Pastorin Witte

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

18.30 Uhr, Kapelle
Kurzfilmandacht
Pastorin Witte

Sonntag, 13. 8.

10 Uhr, Klostergarten
Taufgottesdienst
Pastor Harms

Freitag, 18. 8.

18 Uhr, Kirche
Begrüßungsgottesdienst für die neuen Konfirmanden
Anschließend Konfi-Party im Gemeindezentrum
Pastor Harms

Sonntag, 20. 8.

10 Uhr, Kirche
Weil Gott treu ist – Gottesdienst zum Israelsonntag
Pastor Kramer

10 Uhr, Raum 1
Kinderkirche
Pastor Harms und Team

Sonntag, 27. 8.

10 Uhr, Kirche
Gottesdienst
Anschließend Gespräch zum Thema
Pastorin Witte

18 Uhr, Kapelle
Taizé-Andacht
Verena Maier, Tabea Lenzen und Sonja Großewinkelmann