Halb und Halb

Am 1. Januar beginnt Pastor Klaus Kramer mit einer halben Stelle die Tätigkeit als Krankenhausseelsorger im Diako in Gröpelingen. Er reduziert damit in der Martin-Luther-Gemeinde seine Stelle um den Umfang eines Viertels auf eine halbe Pastorenstelle. mittendrin fragt ihn zu diesen Veränderungen.

mittendrin: Das neue Jahr bringt für Sie die Arbeit auf einer neuen Stelle in einer ganz anderen „Gemeinde“. Warum haben Sie sich auf diese Stelle als Klinikseelsorger beworben?

Klaus Kramer: Seit 1996 bin ich in der Martin-Luther-Gemeinde als Pastor tätig. Nach 16 Jahren war es für mich an der Zeit, meine berufliche Perspektive zu erweitern. Ich hatte schon seit längerem vor, an meiner seelsorgerischen Kompetenz zu arbeiten. Als jetzt im Oktober die Stelle im Diako ausgeschrieben wurde, war das für mich ein Glücksfall, denn so kann ich die von mir sehr geschätzte Arbeit in der Gemeinde mit einer neuen Herausforderung im Bereich der Seelsorge verbinden.

mittendrin: Was erwarten Sie von Ihrer Arbeit als Seelsorger im Krankenhaus?

Klaus Kramer: Als Patient musste ich bislang glücklicherweise nur selten ins Krankenhaus. Aber aus einigen Besuchen bei erkrankten Gemeindegliedern und aus vielen Gesprächen weiß ich, dass das Krankenhaus eine Welt für sich ist, die sich in den letzten Jahren sehr stark gewandelt hat. Die Medizin hat enorme Fortschritte gemacht, aber immer öfter stellt sich deshalb auch die Frage nach dem Sinn medizinischer Maßnahmen. Z. B.: Soll das Leben um jeden Preis verlängert werden? Wie können die Pflicht zur Hilfe und die Menschenwürde – zu der auch ein würdevolles Sterben gehört – vereinbart werden?
Oder eine andere Fragestellung: In den letzten Jahren ist der Kostendruck in den Krankenhäusern deutlich gestiegen, die Liegezeiten aber sind drastisch gesunken, ohne dass die anschließende Heilbehandlung immer zufriedenstellend gesichert wäre. Wie können die Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten und zugleich die Patienten in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellen?
Aber ganz abgesehen von diesen Themen brechen bei einem Krankenhausaufenthalt oft ganz grundsätzliche Lebensfragen auf. Die Menschen halten dann Ausschau danach, worauf Verlass ist, was noch Sinn macht. Das ist eine Frage an den Glauben, der ich mich bei meiner zukünftigen Arbeit im Krankenhaus widmen möchte. Das Diako tritt als evangelisches Krankenhaus auch finanziell dafür ein, dass diese ganzheitliche Form der Zuwendung zum kranken Menschen gewährleistet wird. Darüber freue ich mich ebenso wie über die Tatsache, dass neben mehreren hauptamtlichen KollegInnen auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in der Krankenhausseelsorge im Diako tätig sind. Ansonsten bin ich neugierig, was für Begegnungen und Erfahrungen mir die neue Stelle bringt.

mittendrin: Was ändert sich dadurch in ihrer Arbeit in der Martin-Luther-Gemeinde?

Klaus Kramer: In den vergangenen Jahren haben sich die Anforderungen an die pastorale Arbeit in unserer Gemeinde insgesamt gewandelt. So sind z. B. durch die Altenwohnheime in Findorff neue Aufgaben der gottesdienstlichen Betreuung und Seelsorge gewachsen. Ebenso hat sich der Konfirmandenunterricht erheblich verändert. Wir, die Pastorin und die Pastoren in der Martin-Luther-Gemeinde haben des-halb meine Stellenveränderung zum Anlass genommen, die pastorale Arbeit insgesamt neu zu „sortieren“. Einiges muss leider künftig wegfallen: Es wird in Zukunft keinen Bücherbasar mehr geben. Ich werde auch etwas seltener in der Martin-Luther-Kirche predigen, denn mit der Krankenhaus-Pfarrstelle ist auch ein Predigtauftrag in der dortigen Emmaus-Kapelle verbunden. Manche Aufgaben müssen wir auf andere haupt- und ehrenamtliche Schultern verteilen, z. B. die Zuständigkeit für Bauangelegenheiten. Meine Mitarbeit in der Kinderkirche, zusammen mit Norbert Harms und Jennifer Kauther, beende ich – dafür werden die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen mehr Verantwortung übernehmen. Es gibt aber auch Arbeitsfelder, an denen mein Herz sehr hängt, und die ich gerne fortführe – z. B. die Gestaltung des Schaukastens zusammen mit Martina Wiesner (und gerne weiteren Ehrenamtlichen!).

mittendrin: Wo sehen Sie sie Chancen dieser Stellenteilung?

Klaus Kramer: Auf einer halben Stelle zu arbeiten, soll nicht bedeuten, nur mit halbem Herzen dabei zu sein. Das ist eine Anforderung an meine Organisationsfähigkeit, in beiden Bereichen angemessen präsent zu sein. Vor allem aber hoffe ich, dass ich ein Botschafter zwischen zwei „Welten“ sein kann: dass ich die Themen, Erfahrungen, Anregungen der „Gemeinde-Welt“ in die Welt des Krankenhauses tragen kann und umgekehrt. Ich bin überzeugt, dass von diesem Austausch beide Seiten profitieren können.

mittendrin: Alles Gute und Gottes Segen für beide halben Stellen!

Die Fragen stellte Hans-Jürgen Jung