Es sind Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen

Dieses Zitat von Guy de Maupassant lese ich auf der ersten Seite des Monatsprogramms der Begegnungsstätte im Turm.

In ihrem Büro im Gemeindezentrum suche ich die Begegnung mit Julia Gitzbrecht, die seit gut einem Jahr die vielen Veranstaltungen, Kurse, Filmvorführungen und Vorträge der Begegnungsstätte organisiert.

Sie fing als Vertretung für Elke Pampel an und arbeitet jetzt als fest angestellte Leiterin der Begegnungsstätte im Turm mit Menschen zwischen 60 und 90.

Julia Gitzbrecht wollte mit und für Menschen arbeiten und studierte zwei Jahre lang Soziale Arbeit. Bei fachübergreifenden Vorlesungen kam sie mit Studenten der Gerontologie ins Gespräch. Die Gerontologie ist die Wissenschaft vom Altern, habe ich mich schlau gemacht. Es geht dabei um die Erforschung körperlicher, psychischer, historischer, kultureller und sozialer Aspekte des Alterns.

Die Begegnung mit der Gerontologie hat Julia Gitzbrecht beeindruckt und neugierig gemacht. Sie entschloss sich, in Vechta die Wissenschaft vom Altern zu studieren. Neben theoretischen Anteilen engagierte sie sich in Praktika und in der Forschung. So arbeitete sie z. B. bei einem Projekt mit, dessen Ziel es war, ältere Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Daraus entwickelte sich ein Telefondienst für ältere Menschen. Es genügte, eine einzige Telefonnummer anzurufen. Wenn diese einen Klempner, eine Haushalthilfe oder Assistenz für Behördengänge benötigten, wurde das organisiert.

Mit aktiven, motivierten Senioren zusammenzuarbeiten, macht Julia Gitzbrecht Freude. Genau das macht die Begegnungsstätte zu einem Ort freundlicher Begegnung. Das Programm ist im Prinzip so geblieben, wie es schon Elke Pampel und davor Siglinde Gaigg-Simon entwickelt haben. Doch Julia Gitzbrecht hat bei einigen Angeboten durch kleine Änderungen ihre persönliche Note eingebracht: Wenn die Geburtstage gefeiert werden, gibt es ein kleines Geschenk, ein Keyboardspieler sorgt für flotte Musik und es darf auch getanzt werden!
Die Angebote der Begegnungsstätte gelten schon ab 50+. Wann ist man eigentlich alt? Frau Gitzbrecht erzählt, dass es da gewisse Definitionen gibt, die sich von Zeit zu Zeit ändern. Im Internet finde ich z.B.: ältere Menschen von 65 bis 74, dann geht es weiter über Hochbetagte bis 90 Jahren, danach Höchstbetagte und Langlebige. „Aber wie alt man sich fühlt und wie aktiv man sein Leben gestaltet, kann ganz unterschiedlich sein“, erklärt mir Frau Gitzbrecht. „Manche sind mit Anfang 70 schon müde vom Leben, eventuell auch krank und einsam, andere entwickeln noch mit 90 eine erstaunliche Energie. Es ist wichtig aktiv zu bleiben und Körper und Geist beweglich zu halten.“

Ein gutes Beispiel dafür liefert für mich der russische Beitrag beim Eurovision Song Contest. Eine russische „Frauenband“, ich glaube die Älteste war Ende 80, hat Lebensfreude ausgestrahlt und lässt auch mich optimistisch in die Zukunft blicken. So, möchte ich auch alt werden!

„Was ist besonders wichtig bei der Arbeit mit älteren Menschen?“ möchte ich zum Schluss noch von Julia Gitzbrecht wissen. Sie überlegt eine Weile, erinnert sich an Verhaltensweisen Älteren gegenüber, die sie im Laufe ihrer Ausbildung erleben musste und erklärt ernst: „Auf keinen Fall die Senioren behandeln wie Kinder oder Kranke, das sind sie nämlich nicht. Sie verdienen Respekt und werden so angesprochen wie alle anderen auch“.

Die Leiterin der Begegnungsstätte arbeitet mit einem Team aus 12 Ehrenamtlichen zusammen. Ohne diese helfenden Hände und kreativen Köpfe könnte Vieles gar nicht laufen. Das Frühstücksbüffet muss aufgebaut und der Spielnachmittag betreut werden. Der Raum vorbereitet und aufgeräumt werden. Dafür genießen die Helferinnen und Helfer als Dankeschön kleine Vergünstigungen bei Festen und Fahrten. Einmal im Monat treffen sich die Leiterin und die Ehrenamtlichen, um sich auszutauschen.

Wer sich gerne mit anderen zusammen in der Begegnungsstätte engagieren möchte, darf sich gerne bei Julia Gitzbrecht (0421/37969 33) melden.

Julia Gitzbrecht wird nach den Sommerferien in einem Gottesdienst in ihre „neue“ Stelle eingeführt.
Elsbeth Menze-Dittmayer

Elsbeth Menze-Dittmayer