Neugierig

Wie die Frucht wohl schmeckt? Eva und Adam waren neugierig und haben schnell hineingebissen. Leider ist nicht überliefert, wie die Frucht geschmeckt hat. So muss es bis heute jeder für sich selbst einmal probieren.
Es ist schade, dass die Neugier in dieser Geschichte vom Anfang der Bibel so schlecht wegkommt. Gewiss, die Neugier hat eine problematische Seite, daran erinnert uns übrigens auch der Wortbestandteil „Gier“. Je moderner die Zeiten sind, desto gieriger werden die Menschen nach frischen Erlebnissen, nach delikaten Geheimnissen, nach unverbrauchten Sensationen. Zur Befriedigung unserer Neugier nach intimen Details aus dem Leben mehr oder weniger prominenter Zeitgenossen überschreiten die Medien manchmal auch die Grenzen des guten Geschmacks oder verletzen die Menschenwürde.
Das ist das hässliche Gesicht der Neugier.
Aber eigentlich ist sie doch eine wunderbare Gottesgabe.
Sie ist ein großartiges Geschenk, das Gott uns mit jedem Kind macht, das wächst und lernt. „Wie funktioniert das? Wozu kann man das verwenden? Was kommt danach?“ – lauter neugierige Fragen, die uns die Kinder stellen. Manchmal treiben sie die Erwachsenen an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Aber „Wieso, weshalb, warum?“ sind die Triebfedern des Lernens. Die kindliche Neugier macht schlaue Leute, und deshalb ist es gut, ihr möglichst viel Raum zu geben und geduldig zu antworten.
„Was habt ihr da für einen Brauch? Warum machen wir das so? Kann man das auch anders machen?“ – so fragen auch die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die wir in diesen Tagen segnen. Sie sind neugierig auf Religion und wollen wissen, was dahinter steckt. Sie probieren aus, welche Antworten es für ihre Sinnsuche gibt und wie die Früchte des Glaubens schmecken: süß oder sauer? Und machen sie auch satt? Mal ausprobieren …
Durch diese neugierigen, naiven, frechen Erkundigungen werden übrigens nicht nur die Kinder und Jugendlichen schlauer. Denn weil sie mit ihrer Neugier viel in Frage stellen, was so selbstverständlich ist, bringen sie auch mich und andere Erwachsene auf gute Gedanken.
Am schönsten ist, wenn wir auch nach der Konfirmation neugierig bleiben. Wenn wir auch später noch weiter fragen und mehr erfahren und besser verstehen wollen. Wir sind ja noch nicht am Ende unseres Weges. Und ist es nicht spannend, herauszufinden, was alles möglich ist? Wie der Glaube unterschiedlich gelebt wird? Was sich noch ändern lässt in unserer Welt? Welche Tür mir Gott morgen aufschließt? Worüber ich noch staunen werde? Am schönsten ist, wir bleiben neugierig bis an unser Ende. Wie wird es wohl sein bei der Auferstehung, im Paradies?

Klaus Kramer