Gut genug

Abgestürzt wie einst Ikarus. Dabei wollte er hoch hinaus, wollte fliegen, alles erreichen. Dabei hat sie sich doch so angestrengt, abgerackert, alles gegeben – um eine gute Mutter, eine leidenschaftliche Partnerin, eine verlässliche Kollegin, eine gute Freundin zu sein – und ist doch baden gegangen.
Immer öfter erleben Menschen in unserer Gesellschaft, wie sie unter den (selbst auferlegten) Anforderungen und dem Erwartungsdruck erschöpft zusammenbrechen. Nichts geht mehr!
Die Freiheit, den eigenen Lebensweg zu gestalten, von der frühere Generationen geträumt und für die sie gekämpft haben, hat sich heute verkehrt in einen Zwang zur Selbstverwirklichung: Jederzeit für alles selbst verantwortlich, müssen wir uns selbst erfinden, uns eine eigene Identität schaffen. Und dabei möglichst originell sein! Das ist anstrengend. Überfordert die meisten von uns.
Denn: Grenzen sind dabei nicht vorgesehen. Schließlich – so die Illusion – ist alles möglich, lässt sich alles optimieren! Die Nase ist zu groß? Eine Schönheitsoperation schafft Abhilfe. Mit Mathe klappt es nicht? Dafür gibt’s doch Nachhilfe. Ein paar Pfund zu viel auf den Hüften? Probieren Sie es doch mal mit Joggen! Es mangelt an Selbstbewusstsein? Dafür gibt es doch Therapeuten! … „Ein Heer an Dienstleistern steht bereit, um aus uns allen das Letzte rauszuholen“, so Arnd Brummer, Geschäftsführer der Aktion „7 Wochen Ohne“.
Dabei geht die Lebendigkeit verloren. Alles geschieht nur noch unter dem Gesichtspunkt der Effektivität: „Wir meditieren, um zu funktionieren. Muße? Ganz wichtig für Top-Leistung. Knutschen? Ja, gern: In vier Minuten verbrennt man 15 Kilokalorien.“, so die erschreckend wirklichkeitsnahe Karikatur des Journalisten Georg Cadeggianini. Nicht vornehm, effizient geht die Welt heute zugrunde.
Du bist „gut genug!“ – hält die Fastenaktion der ev. Kirche mit ihrem diesjährigen Motto dagegen. Sie versteht die sieben Wochen der Fastenzeit als Einladung, aus dem „Immer schneller, immer höher, immer weiter, immer mehr!“ auszusteigen. Nicht mehr mitzumachen mit diesem falschen Ehrgeiz, diesem unbarmherzigen Zwang zur Selbstoptimierung und –ausbeutung.
„Du hast mich gebildet im Mutterleibe.
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;
wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“
heißt es im 139. Psalm.
Wir müssen nicht Schöpfer/in unseres eigenen Lebens sein – wir sind Geschöpfe der Schöpferkraft Gottes! Wunderbar gemacht! (Un-)vollkommen schön!
„Wer an Gott glaubt, braucht nicht Gott zu sein und Gott zu spielen. Er muss nicht der Gesündeste, der Stärkste, der Schönste, der Erfolgreichste sein. Er ist nicht gezwungen, völliger Souverän seines eigenen Lebens zu sein“, sagt der Theologe Fulbert Steffensky und lobt die „gelungene Halbheit“.
Unser Leben ist begrenzt und endlich – darin liegt auch seine Würde. Die „7 Wochen ohne“ ermutigen uns zu einem anderen, gnädigeren Umgang miteinander und mit uns selbst und unseren Grenzen, bestärken uns in einer „Spiritualität der Unvollkommenheit“!
Fasten Sie doch mit! Verzichten Sie 7 Wochen lang auf die inneren Antreiber, die sagen: „Das lässt sich aber noch optimieren!“ Antworten Sie ihnen mit Ihrem: „Gut genug!“
Jennifer Kauther
Ein Fastenkalender begleitet und ermutigt mit Texten und Bildern alle, die an der Aktion „7 Wochen ohne“ teilnehmen und „gut genug“ sein wollen.
Bestellung unter: Telefon: 0 69 / 580 98 – 247; E-Mail: bestellung@7-wochen-ohne.de
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