Kunst für die Kirche

Ursula Jaeger webt neue Paramente für die Martin-Luther-Kirche

„Es ist Kunst und ein langer Prozess“, sagt Ursula Jaeger über die Herstellung der neuen Paramente für die Martin-Luther-Kirche. Paramente, das sind die im Kirchenraum und in der Liturgie verwendeten Textilien. Sie hängen an der Kanzel, am Lesepult und am Altar. Der Altarbehang wird auch Antependium genannt. Paramente und Antependien wechseln je nach Kirchenjahreszeit. Drei rote und drei violette Antependien hat Ursula Jaeger schon in ihrem Atelier in Schwachhausen fertig gestellt. Mit den grünen Paramenten hat sie begonnen und die weißen möchte sie bis nächstes Jahr Ostern fertig stellen.
„Weben ist für mich ein Ausgleich“, sagt die 78jährige Künstlerin, die in der DDR Diplomtextildesign studierte und nach einem Aufenthalt in den USA seit fast 40 Jahren ihr Atelier in Bremen hat. Für die Gemeinde Blockdieck webte sie die ersten Altarbehänge. Es folgten weitere etwa für die Gemeinde Unser Lieben Frauen. Durch diese Werke von Ursula Jaeger wurde der Kirchenvorstand unserer Gemeinde auf die Künstlerin aufmerksam. Hinzu kam, dass den vorhandenen Stoffen in unserer Kirche das Alter von 50 Jahren anzusehen war. Als die Gemeinde überraschend eine Erbschaft machte, war die Finanzierung der neuen Antependien gesichert. Die ehemalige Handarbeitslehrerin, die der Gemeinde ihr Vermögen vermacht hatte, hätte sich sicher über die neuen Textilien an Kanzel und Altar in der Kirche gefreut.
Ursula Jaeger hat die roten Paramente zuerst fertig gestellt. Rot wird bei Kirchenfesten aufgehängt, wie etwa zu Pfingsten oder am Reformationstag. Auch das 50jährige Jubiläum der Martin-Luther-Kirche Anfang Oktober ist ein Kirchenfest und so werden dann die roten Kunstwerke als erste in der Kirche zu sehen sein.
Aber auch die Paramente in den anderen drei Farben, violett, grün und weiß werden nach der Fertigstellung durch Ursula Jaeger zur „richtigen“ Zeit in der Kirche an Kanzel, Altar und an einem neuem Lesepult zu sehen sein: Violett ist die Farbe der Umkehr und so ist während der Advents- und der Passionszeit die Farbe violett auf den Webstücken von Ursula Jaeger zu sehen. An den Christusfesten, wie Weihnachten und Ostern ist weiß die dominierende Farbe. Die Farbe grün prägt die meiste Zeit des Kirchenjahres, z.B. die Sonntage nach dem Trinitatisfest. Durch die unterschiedlichen Farben des Kirchenjahres werden wichtige Aspekte des christlichen Glaubens auch sinnlich erfahrbar.
Ursula Jaegers künstlerische Freiheit ist beim Weben durch diese kirchenjahreszeitlichen Farbvorgaben keineswegs eingeschränkt. Christliche Symbole sind für die Künstlerin eher eine Inspirationsquelle. In die roten und grünen Paramente hat sie so z.B. die Farben des Regenbogens eingewebt. Drei Wassertropfen in den grünen Behängen symbolisieren das Wasser des Lebens und die Dreieinigkeit Gottes. Im Zentrum des violetten Antependiums ist ein Mandorla eingewebt, ein mandelförmiges Rund. Es symbolisiert die Licht- bzw. Heilssymbolik von Jesus Christus und nimmt zugleich die Form des großen Rundfensters in der Martin-Luther-Kirche auf. So wird künftig durch die neuen Paramente von Ursula Jaeger in unserer Kirche noch viel mehr vom Reichtum der christlichen Kunst zum Ausdruck kommen und zum Schauen und Staunen anregen.
Hans-Jürgen Jung

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