„Ich war’s!“

Sieben Wochen ohne Ausreden

Mit dem diesjährigen Motto geht die Fastenaktion der evangelischen Kirche richtig ans „Eingemachte“! Wir sind eingeladen, sieben Wochen lang nicht nur auf Süßigkeiten, das Glas Wein am Abend, das Auto oder den Fernseher zu verzichten, sondern auf all die Ausflüchte und Notlügen, mit denen wir meist versuchen, unsere Fehler zu vertuschen oder uns aus misslichen Lagen zu befreien.
Sieben Wochen lang einmal ausprobieren, was es bedeutet, bei der ungeschminkten Wahrheit zu bleiben, zu sich zu stehen: „Tut mir leid, dass ich zu spät komme – ich stand eine Dreiviertelstunde vor dem Kleiderschrank und konnte mich nicht entscheiden.“ „Warum ich nicht angerufen habe? Ich hatte keine Nerven, mir wieder anzuhören, wie schlecht es dir geht.“ „Ich war’s. Ich habe von der verbotenen Frucht gegessen.“
Ganz schön ungewohnt. Und unbequem. „Ich stand im Stau!“, „Ich hatte so viel um die Ohren!“ „Ich war’s nicht. Das war Evas Idee!“ – das geht so viel leichter über die Lippen, erspart unangenehme Auseinandersetzungen. Aber es nimmt uns auch etwas.
„All die leichthin formulierten Halbwahrheiten haben ihren Preis. Wer sich mit Ausreden aus einer misslichen Lage befreit, vertuscht damit nicht nur seine Fehler, sondern auch immer ein bisschen sich selbst. Er stiehlt sich nicht nur aus der Verantwortung, er stiehlt sich auch selbst die Verantwortung – und bringt sich damit um die eigenen Handlungsoptionen. Wer nicht aufrichtig zu seinen Taten stehen kann, dem kommt mitunter der auf-rechte Gang ganz abhanden“, sagt Arnd Brummer, Geschäftsführer der Aktion „7 Wochen Ohne“.
Natürlich ist Ehrlichkeit ein Risiko. Sie kann einen handfesten Krach nach sich ziehen, das Aufkündigen einer Freundschaft oder des Arbeitsverhältnisses. Aber sie birgt auch eine große Chance. Sie kann ein reinigen-des Gewitter auslösen, das nach den Tränen wieder befreites Lachen, nach der Wut ein neues, aufrichtiges Miteinander schenkt.
Und sie setzt der inneren Verkrümmung ein Ende. Denn mit all meinen Ausflüchten kann ich vor mir selbst ja doch nicht davonlaufen, vor meinem Wissen um das, was ich getan bzw. nicht getan habe. Vor der Instanz meines eigenen Gewissens.
So zu sich zu stehen, zuzugeben „Ich war’s“, erfordert Mut und Geradlinigkeit. So ein Verhalten hat nichts mit krankhaften Schuldgefühlen oder dem unterwürfigen sich klein machen aus Angst vor Strafe oder negativen Konsequenzen zu tun. Sondern – im Gegenteil – mit Ver-trauen. Es wächst aus dem Bewusstsein der eigenen unverlierbaren Würde, die uns geschenkt ist, und der Güte, mit der Gott unseren Fehlern begegnet. Von ihm heißt es: „Wenn das Herz uns auch verurteilt – Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles.“ (1. Joh 3,20)
Wir alle machen Fehler – das gehört zum Menschsein dazu. Sie zuzugeben zeigt Größe und innere Freiheit und trägt mit dazu bei, dass auch andere zu sich selbst stehen und aus dem „Schwarzen-Peter“-Spiel aussteigen können. Wir brauchen in unseren Kirchen und unserer Gesellschaft solche ehrlichen Menschen, die diesen Mut aufbringen und, auch wenn es schwer fällt, ohne Ausflüchte sagen: „Ja, ich war’s!“
Vielleicht sind Sie ja eine/r davon!

Jennifer Kauther

Ein Fastenkalender begleitet und ermutigt mit Texten und Bildern alle, die an „7 Wochen ohne“ teilnehmen und einmal „sieben Wochen ohne Ausreden“ ausprobieren wollen.
Bestellung, Tel. 0 69 – 580 98 – 247; Fax 03 42 06 – 6 52 08; E-Mail bestellung@7-wochen-ohne.de