festgelegt

Ratlos sehen mich die Geschwister an. Ich bin zu ihnen zum Trauerbesuch gekommen; wir wollen alles für die Beisetzung ihrer Mutter planen. Aber da gibt es eine Schwierigkeit: Die Mutter hatte erklärt und sogar schriftlich fest-gelegt, dass es anlässlich ihres Todes keine Trauerfeier geben und ihre Urne „in aller Stille“ beigesetzt werden soll. Ihren Kindern aber wäre es tröstlich, mit den anderen Trauernden zusammen diesen Abschied mit einer Feier zu begehen.
Nicht wenige Menschen legen für den Fall ihres Todes nicht nur fest, wer was erben soll, sondern auch, wie und wo sie bestattet werden wollen. Dabei spielen ganz unterschiedliche Motive eine Rolle. Manche wünschen sich z.B., dass ein bestimmtes Lied bei der Trauerfeier erklingt, weil es in ihrem Leben eine große Rolle gespielt hat. Andere verfügen, dass sie anonym oder auf See bestattet werden, weil sie meinen, so ihren Angehörigen am wenigsten Umstände zu machen und Folgekosten für die Grab-pflege zu vermeiden.
Solche Festlegungen über den eigenen Tod hinaus können eine Hilfe für die Trauernden sein. Die Trauerkultur ist immer vielfältiger geworden. Deshalb wissen viele Trauernde aber nicht recht, wie sie es machen sollen mit dem Sarg und der Trauerfeier, mit der Grabstätte und der Beisetzung. Viele Fragen sind in so einem Fall zu klären, und die Tradition gibt immer weniger eindeutige Antworten. Da kann es hilfreich sein, wenn jemand für den Fall seines Todes Hinweise gibt, wie die Sache in seinem Sinne zu regeln ist. Das kann eine Liste sein mit den Menschen, die zu benachrichtigen sind, oder Musik, die einem wichtig war, oder ein Bibelvers, der einen im Leben begleitet hat.
Aber diese Bestimmungen können manchmal zu einem Zwangskorsett werden, in dem die Trauer der Angehörigen keinen Platz mehr findet. Besonders in dem Fall, wo jemand den Hinterbliebenen Umstände und Folgekosten ersparen will, kann diese fürsorgliche Überlegung dem Bedürfnis der Trauernden genau entgegenstehen. Sie wünschen sich womöglich solche „Umstände“, um getröstet Abschied nehmen zu können.
Die hilfreiche und die nicht hilfreiche Art, etwas festzulegen, unterscheiden sich durch das Gespräch. Es ist mutig und gut, beizeiten mit den eigenen Kindern, Verwandten oder Freunden darüber zu sprechen, was im Todesfall geschehen soll. Vergewissern Sie sich bei so einem Gespräch, ob Ihr Wunsch auch dem Ihrer Angehörigen entspricht. Und geben Sie im Zweifelsfall den Bedürfnissen Ihrer Angehörigen Vor-fahrt. Die Vorstellungen Verstorbener zu respektieren ist gut, aber die Rituale der Trauerzeit sind nicht zuerst für die Toten da. Sie sind jetzt bei Gott geborgen.
Ich meine: Der Abschied ist für die Trauernden da, und sie sollten ihn begehen können, wie es ihnen entspricht.
Klaus Kramer