Offen für Sie!

Ich gehe gerne am Sonnabend in die Kirche. Nein, das ist kein Tippfehler. Sonntags gehe ich auch oft, aber samstags fast immer. Bevor ich auf dem Markt einkaufe, ist es mir zu einer lieben Gewohnheit geworden, einen Blick in unsere Kirche zu werfen. Es gibt keine Predigt, aber manchmal doch interessante Gespräche. Orgelmusik ist äußerst selten. Im Sommer erfrischt mich die angenehme Kühle, und im Winter kann ich mich kurz aufwärmen. Und für den Fall der Fälle gibt es eine Toilette.
Ich werde schon erwartet. In der Kapelle sitzt eine sympathische Dame oder ein freundlicher Herr des ehren-amtlichen Kreises „Offene Kirche“. Ich kenne sie mittlerweile alle und freue mich auf eine spontane Unterhaltung, die fünf Minuten oder eine halbe Stunde dauern kann. Wir reden über einen Gottesdienst, Lob oder Kritik an der Gemeinde oder auch über ganz Persönliches: Kriegserlebnisse, die Enkelkinder, einen Vortrag im Haus der Wissenschaft, die Arbeit im Kleingarten, das kürzlich gelesene Buch oder Sorgen zu Hause.
Lob und Kritik gebe ich als Mitglied im Kirchenvorstand gerne an entsprechender Stelle weiter und Privates behalte ich für mich.
Bevor ich wieder gehe, setze ich mich in die dritte Reihe der Kirchenbänke und schaue auf das Kreuz. Fast wie in den Don Camillo Filmen. Aber noch nie hat ER mir irgendein Zeichen gegeben, kein Kopfnicken, kein Augenzwinkern. ER spricht auch nicht mit mir, weder laut noch tonlos. Hier ist nicht der Ort für Wunder. Ich trage IHM aber durchaus meine Gedanken und Bitten vor und bedanke mich für eine gute Woche oder ein gelungenes Projekt. Ich will gar nicht versuchen zu verstehen, wie und wo Gott ist, solange ich seine Liebe in mir spüre und Trost und Zuversicht mitnehme.
Weitere Besucher betreten die Kirche, um zu beten, Schutz vor Regen zu suchen oder einfach nur, um zu gucken. Manchmal sind Bilder oder Skulpturen ausgestellt. Es stört nicht, wenn Kinder herumlaufen und die Treppen zum Altar hinauf-gehen.
Es ist eine gute Sache, dass die Kirche am Samstag für alle offen ist, dass das Team der offenen Kirche uns dieses Geschenk macht und nicht danach fragt, ob sich solch ein Angebot lohnt. Selbst, wenn nur zwei Besucher kommen, ist es für diejenigen wichtig gewesen.
Es gibt die „Offene Kirche“ schon seit vielen Jahren. Nach und nach mussten einige aus Alters- oder aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden. Die Gruppe organisiert sich selbst und alle haben Freude daran. Die einen schätzen die Ruhe in der Kirche, für andere sind die Begegnungen interessant. Manche Besucher kommen sogar von außerhalb, um die Kirche wieder zu sehen, in der sie getauft, konfirmiert oder getraut wurden. Wäre dieser freiwillige Dienst etwas für Sie? Dann sprechen Sie die Damen und Herren der „Offenen Kirche“ an oder wenden sich an Pastor Harms. Ich würde mich freuen, Sie bei einem meiner nächsten Sonnabendbesuche kennen zu lernen.
Elsbeth Menze-Dittmayer

Elsbeth Menze-Dittmayer