Jeder muss alles spielen können

50 Jahre Bläserchor in der Martin-Luther-Gemeinde

Es ist Dienstagabend in der (Sommer-)ferienfreien Zeit. Im ersten Stock des Turms der Martin-Luther-Kirche erklingen Posaunen, Tuba und Trompeten im Chor. Im Bläserraum probt wöchentlich der Bläserchor für Gottesdienste, Konzerte und andere Auftritte. In diesen Tagen feiern die Musiker runden Geburtstag: Vor 50 Jahren, im Oktober 1960, gründete sich der Bläserchor.
Gründungsmitglieder von damals spielen heute nicht mehr im Chor. Aber einige unter den rund 15 Männern und Frauen aller Altersklassen zählen dennoch zu den Urgesteinen. So wie Michael Wilken und Manfred Richter. Vor 39 Jahren haben sie sich dem Musizieren in der Gemeinschaft verschrieben. Und gerade auf die komme es an, ist sich Manfred Richter sicher: „Wenn die Gemeinschaft nicht so gut wäre, dann würde es nicht soviel Spaß machen.“ Andere Mitglieder kommen einer 50-jährigen Mitgliedschaft sogar noch näher, haben aber zwischendurch ausgesetzt, rechnen die Blechbläser nach. Es bestehe eine große Kontinuität der Mitglieder, erklärt der Leiter, Kirchenmusiker Christian Faerber. Immerhin rund 100 Menschen zählten sich im letzten halben Jahrhundert zum Chor, doch gibt es einen festen Mitgliederkern. Diese Mischung aus einem festen Stamm, der guten Gemeinschaft und der Freude an der Musik lässt die Gruppe auch schwierige Zeiten überstehen. So war der Bläserchor einmal über ein halbes Jahr ohne Leiter und dennoch habe man alleine weitergemacht, erinnern sich Manfred Richter und Michael Wilken.
Choräle, Choralvorspiele, Intraden, Bläserstücke alter Meister, romantische und moderne Musik, aber auch Stücke, die eigentlich für andere Instrumente geschrieben wurden, zählen zum Repertoire. Dabei spielt Flexibilität eine große Rolle: „Jeder muss jede Stimme spielen können“, sagt Christian Faerber, „damit auch bei Ausfall eines Spielers dessen Stimme im Gesamtklang nicht fehlt.“ Die Blechbläser begleiten mit ihren Instrumenten nicht nur Gottesdienste und Veranstaltungen der Gemeinde, sondern auch Familienfeiern oder Feste im Stadtteil und über die Landesgrenzen hinaus.
Einmal im Jahr fahren die Bläser mit ihren Familien auf eine Chorfreizeit. Früher ging es nach Helgoland. Geschlafen wurde im dortigen Gemeindehaus auf Matratzen, schwelgt Manfred Richter in Erinnerungen. Mindestens 30 Mal sei er mit dem Bläserchor dort gewesen. Auch nach Borkum, Wangerooge, Langeoog, Sommerhausen, Bad Münder und Bad Eilsen führten weitere Fahrten. Mittlerweile ist Visbek das Ziel der alljährlichen Probewochenenden. Dort werde sehr intensiv geprobt. Rund neun Stunden habe man bei der letzten Freizeit im August in die Musik investiert. Aber auch die Gemeinschaft habe davon profitiert. „Wir hatten mehr Zeit zum Reden – und viel Spaß“, sagt Manfred Richter.
Neue Bläserchormitglieder sind übrigens willkommen. Vor allem Nachwuchs für die Posaunen wird gesucht. Wer mitmachen möchte, sollte Noten lesen können sowie bereits ein Jahr ein Blechblasinstrument gespielt haben. Aber „ein Blechblasinstrument kann man immer lernen“, macht Christian Faerber allen Interessierten Mut. In Kleingruppen können diese einmal wöchentlich ein Instrument erlernen.
Antje-Kathrin Jahnke
Weitere Informationen: Christian Faerber, Telefon 37 96 9-36